Archiv der Kategorie: Vogelgrippe – Geflügelpest 2017

Vogelgrippe – Geflügelpest

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Geflügelpest – warum die Aufregung?

Lieber Leser,
Sie fragen sich vielleicht auch:
Warum dieser Hype – warum regen sich alle so auf?
Die Hühner werden doch sowieso geschlachtet…..
Die Behörden haben doch alles bestens im Griff – die Seuche ist unter Kontrolle…….

Tja, warum das alles?

Ich versuche es mal mit einer kleinen Geschichte – einer Geschichte, die morgen schon Wirklichkeit sein könnte…..

Stellen Sie sich vor, die “Seuche” hiesse nicht “Geflügelpest”, sondern “Hundepest” (oder “Katzenpest”, “Papageienpest”, “Meerschweinchenpest”) – suchen SIe sich einfach aus, welches Haustier Sie besonders lieben und setzen sie es ein für den Hund, der exemplarisch für alle in der folgenden Geschichte die Hauptrolle spielt.

Nun stellen Sie sich vor, der größte und umsatzstärkste Markt rund um den Hund wäre in Deutschland nicht mehr der Heimtiersektor, sondern der Nutztiersektor.
Stellen Sie sich vor, in unseren westlichen Ländern würde Hundefleisch so salonfähig auf dem Teller, wie in Asien oder wie Pferdefleisch in Frankreich. Anfangs noch als wenig akzeptierte “Ausnahmeerscheinung”, die Entrüstung hervorruft, doch mit der Zeit tritt die Gewöhnung ein und da immer neue Skandale rund um Geflügel, Schwein und Rind das Verbrauchervertrauen zunehmend erschüttern, nimmt der noch gar nicht skandalumwitterte Hund einen immer größeren Stellenplatz an der Fleischtheke ein.
Immer mehr fleischproduzierende Unternehmen wittern hier das Geschäft der Zukunft.
Parallel zum Heimtiermarkt entwickelt sich die “Nutztierschiene Hund” .
Anfangs sind es noch kleine “Fleischhundzüchter”, die überschaubare Rudel mit Platz und AUslauf halten – sie kennen vieler Ihrer “Nutzhunde” sogar noch beim Namen.
An uns Haushundbesitzern geht das alles noch mehr oder weniger vorbei – es berührt uns nicht direkt, denn unserem Fiffi geht es gut und außer, daß wir angeekelt den Kopf schütteln, wenn wir im Supermarkt neben dem Tiefkühlhähnchen nun einen Hundeschenkel sehen, ruft das keine grossartigen Proteste bei uns hervor.
Mit der Zeit wittern auch immer größere Unternehmen das Geschäft mit dem Hund und träumen schon vom globalen Hundefleischmarkt.
Doch 30 oder 40 Hunde züchten – das bringt es nicht – es müssen tausende sein – auf einen Schlag – wirtschaftlich, automatisiert, schnellwüchsig, mit gutem Fleischansatz – eben so schnell wie möglich schlachtreif.
Wenn dann die ersten Hallen aus dem Boden sprießen mit gigantischen Hundeproduktionen, schreien einzelne Tierschutzorganisationen auf.
Die Politik reagiert – sie schafft ein Gesetz, um den Tierschutz zu wahren:
Ab sofort hat ein Hund in der industriellen Hundehaltung Anspruch auf mindestens 0,5 qm, wenn er 30 – 50 kg. wiegt. Bei Hunden unter 30 kg dürfen höchstens 4 Tiere auf einem qm (das ist ein Rechteck von 1 x 1 Meter) gehalten werden.
Nun schütteln Sie den Kopf, lieber Leser? Nun, das sind die Vorgaben, die es heute für Schweine gibt und bei Hühnern dürfen 35 kg Lebendgewicht pro qm gehalten werden (bei Masthähnchen von ca 1,6 kg sind das gute 20 Tiere pro qm)
Jetzt nehmen wir mal 60 qm – die dürften dann also mit 240 29kg Hunden belegt werden. Aber natürlich reicht das dem Massenproduzenten nicht. Er baut eine Halle von 800 qm (die Größe eines normalen 20 x 40 Reitplatzes), wo er “tierschutzgerecht”, also dem Gesetz genügend 3200 Hunde mästen kann.
Nun sagen Sie sicher: das geht doch gar nicht – die Hunde brauchen Auslauf, sie würden sich beissen, wären ständig gestresst, bekämen Verhaltensstörungen, würden krank?
Stimmt – ganz genau so, wie die Schweine, Kühe und Hühner.
Gegen das Beissen werden schon beim Welpen die gefährlichen Fangzähne verödet – ganz im Sinne des bis dahin geschaffenen Gesetzes, damit sich die Tiere nicht gegenseitig verletzen.  Und die täglichen paar toten Hunde in der Mastmasse sind gleich von Anfang an mit einkalkuliert.
Es sind schließlich Nutztiere – die empfinden offensichtlich anders, als Haustiere und da gelten andere Normen des Tierschutzes in der Gesetzgebung. Hund ist nicht gleich Hund……
Angesichts dieser Haltung bei gleichzeitig fettreicher, schnell mästender Ernährung und diverser Medikamentengaben treten zunehmend häufiger Krankheiten in den dicht besetzten Hundebeständen auf.
Ab und an gerät so ein gefährlicher Keim auch nach draußen und infiziert gelegentlich auch mal einen Haushund.
Mit zunehmenden Erkrankungen in den Massenbeständen wird zunehmend der Ruf der Industrie nach engeren Kontrollen der privaten Hundehaltung laut – denn schließlich sind sie es, die die Erreger produzieren – in den hygienischen Hochsicherheitstrakten der Hundefleischproduktion könnte so etwas gar nicht geschehen.
Erste Gesetze werden erlassen: Meldepflicht (haben wir ja schon), Impfpflicht für  immer mehr völlig blödsinnige Erkrankungen, die unsere Hunde bis dato nie hatten – allein – die Impfungen werden nicht so gut vertragen und ab und an krepiert auch mal ein Hund daran – was solls – was ist schon 1 Hund gegen die vielen tausend in den Wirtschaftsbeständen, die in Gefahr sind.
Parallel werden die Massenhundebestände, in denen ein einziger kranker Hund auffällig wurde, vorbeugend vergast und weggeworfen, damit die Ställe mit neuen Welpen besetzt werden können.
Dann bricht wieder eine neue Seuche aus (die eigentlich keine wäre, gäbe es diese Massenbestände nicht).
Die Politik reagiert auf Drängen der Wirtschaft sofort:
ab sofort gilt strenger Hausarrest für Hunde – Hunde dürfen nicht mehr vor die Tür. Außerdem ist von jedem Hundebesitzer ab sofort ein “Bestandsbuch” zu führen, wo er täglich das Gewicht des Hundes zu dokumentieren hat.
Beim ersten AUsbruch ist der Hausarrest schnell wieder aufgehoben. Aber erst alle paar Jahre, dann nach 2 Jahren und dann alljährlich tauchen neue Seuchen auf – und jedes Mal ist der Hausarrest ein wenig länger, das Bestandsbuch etwas umfangreicher – und ach ja, es kommen Desinfektionsvorschriften für den Hundehalter hinzu und es werden nicht mehr “nur” die betroffenen Hunde in den Massenbeständen vergast, sondern vorbeugend geht ein Tötungskommando um, welches jeden Hund in Privathaushalten der Umgebung von einem Kilometer vorbeugend erschlägt – nein, auf die Krankheit getestet werden muss der Hund nicht – so viel Solidarität des Hundehalters mit der Hundefleischwirtschaft muss schon sein….
Am Ende schließlich ist die private Hundehaltung so aufwändig, teuer und mit unsinnigen Auflagen belegt, dass es nahezu unmöglich ist, privat überhaupt noch einen Hund zu halten – und wer sich das doch antut, muss damit leben, dass er seinem Hund kein artgerechtes Leben mehr bieten kann.

“So etwas gibt es nicht” sagen Sie jetzt entrüstet?

Wenn Sie sich da man nicht täuschen. Mit Rindern und Schweinen ist dieses Procedere bereits abgeschlossen. Es ist kaum noch möglich, als Privatperson problemlos eine  dieser Tierarten zu halten – selbst, wenn man den Platz hätte und selbst, wenn man sie lediglich als “Haustier” halten will.
Beim Geflügel sind wir gerade mitten drin – wir haben den Punkt erreicht, wo das erklärte Ziel von Wirtschaft und Politik offensichtlich ist  ” eine dauerhafte Aufstallpflicht von Geflügel” – mit anderen Worten: Hühner, Enten und Gänse dürfen dann nicht mehr draußen gehalten werden – das kommt dem Verbot einer privaten Haltung dieser Tierarten gleich. … und Hühner, Enten und Gänse waren und sind für viele unter uns genau so geliebte Haustiere, wie für Sie der Hund, die Katze, der Papagei oder das Meerschwein…..

Jeder von Ihnen, liebe Leser, der von sich behauptet, ein Tierfreund zu sein, sollte aufschreien und mithelfen, dass diesen bestialischen Machenschaften rund um die Massentierhaltung durch Wirtschaft und Politik ein Ende bereitet wird.
Wenn wir als Gesellschaft uns nicht mit schuldig machen wollen an diesem weltweiten Frevel, dann müssen wir endlich aufstehen und uns dagegen erheben…..sonst ist vielleicht morgen Ihr Haustier dran….


Kommentar von Petra Maria im Hühnerforum Beitrag 7260

Grandios!

Das trifft genau den Knackpunkt: ich habe schon zu Beginn des Vogelgrippehypes fest gestellt, dass das Thema selbst Möchtegerntierschützern und -liebhabern ziemlich am A…(ufreger) vorbei geht. “Sind doch Nutztiere. Die wären sowieso getötet worden. Jetzt haben sie das elende Leben halt ein bisschen früher überstanden”. Und die Massentierhalter werden aus der Tierseuchenkasse entschädigt. Ist doch alles in bester Ordnung….
Gut – es gab einen kurzen, aber heftigen Aufschrei, als die Huffington Post mal titelte, Sachsen könnte freilaufende Katzen erschiessen. Da ist dann Schluß mit lustig. Katzen sind die “Schwellenart” – teils “unkontrollierte Plage”, teils verwöhntes und geliebtes Haustier….Hunde wären noch dramatischer. Gottseidank blieb es da bisher bei Anleinpflicht in bestimmten Bereichen Damit kann man zur Not eine zeitlang leben (oder man weiss, wo man sie gefahrlos umgehen kann).

Das Konzept der Massentierhaltung geht auf: aus den Augen – aus dem Sinn. Die Bevölkerung kriegt keines der Tiere aus den Massenställen jemals zu Gesicht. Das arme Tier kriegt keins – kein Gesicht. Niemand braucht in die Augen zu schauen, die ein ganzes, armseliges Leben lang kein Tageslicht sehen dürfen und keinen Halter, den das Tier als jemanden erkennt, der es mag und umsorgt und respekt-, vielleicht sogar liebevoll, versorgt.

Die irrwitzigen Zahlen bei den aktuellen Keulungen sind so unfassbar, dass es fast schon wieder leicht wird, sie zu verdängen. Tausende Tiere – zu denen man keinerlei Bezug hatte. Einzeltiere, die viele kannten, sind unvergleichlich schlimmer – da leidet man dann mit…..

Makaber, aber wahr. Es bewährt sich, dass sie die Tiere hinter hermetisch abgeriegelten Mauern vor den Blicken der Bevölkerung verborgen haben…

LG
Petra Maria

 

 

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Vogelgrippe – Geflügelpest – Wildvögel – Hausgeflügel

zur Zeit ist sie in aller Munde. Die Medien geben unisono wieder, was seitens unserer Behörden und des Friedrich Löffler Instituts (FLI) bekannt gegeben wird:

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…sind sie wirklich schuldig?….

die Zugvögel sind Schuld, die Hausgeflügel sind massiv gefährdet,  vorsorgende Massentötungen gesunder Tiere, Aufstallpflicht für alle….
…und das alles natürlich nur zum Besten von Mensch, Tier und Natur.

  • dass nahezu alles, was sich hier zur Zeit abspielt nicht schlüssig ist, wenn man darüber nachdenkt
  • dass das Friedrich Löffler Institut eine sehr starke finanzielle Nähe zur Massentierhaltung und zur Pharma hat und unabhängige Wissenschaftler durchaus zu anderen Ergebnissen kommen
  • dass die infizierten Tiere meist weniger als 1 % der daraufhin getöteten Tiere ausmachen
  • dass die Anzahl der infizierten, toten Wildvögel deutlich unter 1% aller Wildvögel, die hier durchziehen liegt
  • dass ein Influenza Virus nicht “die Pest” ist
  • dass vermutlich die Wildvögel zu Sündenböcken gemacht werden und dabei wahrscheinlicher die wahren Opfer sind…
  • dass dem kleinen Hühnerhalter Maßnahmen verordnet werden, die teilweise an Tierquälerei grenzen und von der Umsetzung her kaum zu relaisieren sind, um zu verhindern, dass Vogelkot eine Infektion überträgt, während Geflügelmist aus Massentierhaltungen teuer gehandelt und offen durchs Land gekarrt und auf unsere Felder gekippt wird, wo er potentiell ansteckend für die Wildvögel ist…..
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…oder doch die wahren Opfer?

….all das und noch vieles mehr wird konsequent ignoriert – offensichtlich nicht einmal hinterfragt – sowohl seitens der Behörden als auch seitens der Medien.

Unsere Wildvögel sind massiv gefährdet, genau, wie unsere Haushuhnbestände – und statt diese entsprechend zu schützen werden Maßnahmen ergriffen, die meines Erachtens genau das Gegenteil erzielen und  nicht mehr zeitgemäß sind.

Die Medien scheinen kein Interesse daran zu haben, kritisch zu hinterfragen was geschieht – darum tun Sie es selbst. Machen Sie sich ein Bild – lesen Sie die “andere” Seite und urteilen Sie selbst, ob es sinnvoll wäre, hier mal etwas kritischer nachzuhaken.  Und wenn Sie zu demselben Schluss kommen, wie ich, dann bitte verbreiten Sie diese Informationen und klären Sie auf – zum Schutz unserer Wildvögel und zum Schutz unserer alten Nutztierbestände

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sie sind der ideale Sündenbock…..

Nachfolgend lesen Sie meine Gedanken dazu und einige links zu Seiten, die einen anderen Blick auf das Geschehen liefern:

Als besorgte Naturschützerin, Geflügelhalterin und als besorgter Verbraucher beunruhigen mich die derzeitigen Geschehnisse um die Geflügelpest zutiefst. Was ich den Veröffentlichungen unserer Ministerien und den Informationen in den Medien entnehmen kann, ist nicht dazu geeignet, mir meine Sorge zu nehmen.

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…denn sie haben keine Lobby.

Ich fände es wünschenswert, wenn Politik und Medien meine nachfolgend aufgeführten Gedanken zum Thema einmal aufgreifen und kritisch hinterfragen würden. Besonders wünschenswert fände ich es, wenn sich Medien finden, die nicht nur die Aussagen und Mitteilungen seitens der Behörden und des (ja nicht ganz unabhängigen) FLI kritiklos übernehmen, sondern das Gesagte auch einmal hinterfragen und sich zu dem Zweck auch jene Wissenschaftler als adäquate Gesprächspartner  heranholen, die aufgrund ihrer Forschungen und Kenntnisse zu einem anderen Ergebnis kommen, als das FLI.

Wir haben eine Tierseuchenschutzverordnung, die m.W. in erster Linie zum Schutz der Bevölkerung/des Verbrauchers, in zweiter Linie zum Schutz der tierische Produkte produzierenden Wirtschaft und in 3. Linie zum allgemeinen Tierschutz da ist.

Dass wir eine solche Verordnung haben, halte ich für außerordentlich wichtig und vor allem auch richtig und ich wäre die Letzte, die nicht sofort alles in Bewegung setzen würde, um die Maßnahmen konsequent umsetzen zu können, wenn damit die oben gesteckten Ziele sinnvoll erreicht werden können.

Allerdings kann genau das mit der Tierseuchenschutzverordnung in ihrer jetzigen Fassung meines Erachtens nicht mehr effektiv erreicht werden.

Diese Verordnung in ihrer jetzigen Form und Umsetzung war sicherlich zu Zeiten meines Großvaters, wo Nutztiere noch nicht konfektioniert für Großproduktionen designt wurden und noch unisono in vergleichsweise kleinen Einheiten auf dem Land unter relativ stark von der Natur beeinflussten Bedingungen gehalten wurden, außerordentlich wirkungsvoll und sinnvoll.

Heute jedoch gibt es speziell designte/gezüchtete Hühner, die sogenannten Hybriden (z.B. die Hühnermarke Lohmann). Diese Hybriden sind auf die jeweiligen wirtschaftlichen Ziele optimiert worden. Z.B. hohe Legeleistung, hohes Fleischgewicht, schnelle Schlachtreife, kein Brutverhalten, möglichst wenig Bewegungsdrang, damit die Tiere zu zig-tausenden auf engstem Raum in geschlossenen Hallen gehalten werden können. Einher mit dieser Optimierung ging das Bedürfnis dieses Geflügels nach einer speziellen, deutlich energiereicherer Ernährung, die nur durch Hochleistungsfutter mit Zusatzstoffen zu erzielen ist. Ein unerwünschter, aber bisher nicht gelöster Nebeneffekt dieser Optimierung ist, dass diese Tiere unter den gegebenen Lebensbedingungen in der Massenhaltung  praktisch kein funktionierendes Immunsystem mehr haben. Diese Tiere sind also absolut allem, was die Umwelt an Keimen zu bieten hat, schutzlos ausgeliefert.

Um hier Totalverluste der Bestände zu verhindern und damit auch den Verbraucher  zu schützen, werden diese Hybriden in großen, hermetisch zur Außenwelt abgeschlossenen Tierhaltungsanlagen gehalten. Selbst die Luft in diesen Anlagen wird nur gefiltert rein und raus gelassen, Unbefugte dürfen die Gelände, geschweige denn die Gebäude oder gar die Ställe nicht betreten, es gibt diverse Sicherheits- und Desinfektionsschleusen, die jeder durchlaufen muss, der im Tierbestand arbeitet. Diese Gebäude sind zum Schutz des Geflügels und des Verbrauchers Hochsicherheitstrakte.

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Sie sind frei geboren…..

Bei den Hühnerrassen der privaten Hobbyhalter und kleinbäuerlicher Betriebe hingegen handelt es sich meistens um alte Landschläge und Mischungen daraus. Diese Hühner haben nur einen Bruchteil der Lege- und Fleischleistung der Hybriden. Sie wachsen auch deutlich langsamer und sind später schlachtreif. Ihre Ansprüche an die Nahrung beschränken sich weitestgehend oder ganz auf das, was sie in der Natur finden plus eine Handvoll Getreide wie zu Großvaters Zeiten. Diese Hühner haben ein mehr oder weniger ausgeprägtes Brutverhalten, sie sind sehr bewegungsbedürftig, ihre Individualabstände sind deutlich größer, als die der Hybriden. Diese alten Landrassen wurden früher auch in der wirtschaftlichen Geflügelhaltung überall und heute immer noch bei Hobbyhaltern überwiegend oder ganz unter freiem Himmel mit freiem Auslauf hinter dem Haus gehalten. Ihre Immunsysteme sind so robust, wie die der Wildvögel, sie ernähren sich in mehr oder weniger großen Teilen von dem, was sie sich in der Natur suchen und ihr Bedarf an Zufütterung ist je nach Grundstück und dem, was es bieten kann, sehr gering bis nicht vorhanden.

Würde man jetzt eine handvoll Hybridhühner direkt aus so einer geschlossenen Massenhaltung von jetzt auf gleich vor die Tür setzen und in so ein Leben befördern, ohne sie wochenlang langsam und mit viel Sorgfalt an dieses artgerechte  Leben zu gewöhnen, wie es unsere alten Rassen führen, würden diese Hybriden im besten Fall innerhalb der ersten Tage versterben – im schlimmsten Fall elendlich dahin siechen und heftige Krankheiten aller Art „ausbrüten“, weil ihr Körper dem natürliche Leben nichts entgegen zu setzen hat und alles erst langsam und mühsam neu erlernen müsste.

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…und ein Leben in Freiheit gewöhnt.

Dieses Risiko besteht aber auch umgekehrt bei unseren an Freiheit gewöhnten, alten Landhühnern. Sie geraten durch die plötzliche Einstallung auf engem Raum unter Dauerstress. Sie müssen eine Nahrungsumstellung weg von überwiegend natürlicher Nahrung auf Kunstfutter durchstehen, ihnen fehlt Bewegung, Licht und Luft – all das, was sie gesund und vital hält. Dass diese an die Natur gewöhnten, alten Landhühner nicht ganz so extrem reagieren, wie ein Hybrid im umgekehrten Fall liegt sicher einerseits an dem deutlich funktionsfähigeren Immunsystem zu Beginn der Aufstallung als auch an dem gewaltigen zeitlichen und finanziellen Aufwand, den die Halter kleiner Hühnerbestände betreiben, um ihre geliebten  Tiere irgendwie zu beschäftigen und zumindest etwas ausgleichend mit Licht und Naturnahrung zu versorgen.

Will man also tatsächlich die Tiere und damit automatisch auch die Wildvögel, die Bevölkerung und letztendlich sogar deren Ziervögel vor einer Ansteckung schützen, müssen die Maßnahmen darauf abzielen, das Immunsystem des jeweiligen Tieres so intakt wie möglich zu halten bei gleichzeitig optimalem Schutz vor übermäßigem Kontakt zu dem Erreger. Hier muss man meines Erachtens unterscheiden zwischen den Tieren, die ein intaktes Immunsystem haben und denen, die über keines verfügen. Man muss auch unterscheiden zwischen Tieren, die in einer extrem hohen Besatzdichte leben und solchen, die eine extrem geringe Dichte aufweisen.

Jeder weiß, dass das Risiko, sich zu erkälten um ein Vielfaches größer ist, wenn ich in einem U-Bahnwaggon dicht gedrängt mit vielen anderen Menschen zusammen stehe, als wenn ich mit einer kleinen Gruppe von Menschen einen gemeinsamen Waldspaziergang mache.

Unter diesen heute gegebenen Voraussetzungen, wo zwei grundverschiedene Formen der Nutztierhaltung stattfinden mit Tieren, die mittlerweile obwohl sie der gleichen Tierart angehören, vollständig unterschiedliche Ansprüche an Fütterung und Haltung stellen, um überhaupt lebensfähig zu sein bzw. gesund überleben zu können, in solchen Zeiten ist es m.E. dringend notwendig, dass die Seuchenschutzverordnung dahingehend angepasst wird, dass die Maßnahmen streng getrennt nach den Bedürfnissen, Anlagen und Schwächen der Tiere geregelt werden, damit sowohl die Bevölkerung als auch die Wirtschaft, aber auch die kleinen Hühnerhalter und die vielen Wildvögel  optimal geschützt werden.

Aus meiner Sicht wäre es deutlich sinnvoller, die ohnehin schon in hermetisch abgeschlossenen Gebäuden lebenden Massenbestände (solange nicht erreicht wird, dass diese Form der Tierhaltung endgültig abgeschafft wird)  im Seuchenfall noch genauer und engmaschiger zu überwachen und vor allem die Verhinderung von Einträgen von außen und vor allem Austrägen nach draußen noch massiver in den Fokus zu rücken.

Für kleine Bestände von Geflügelarten, die aus freier Haltung kommen und die nicht der Lebensmittelgewinnung dienen, sollte man zumindest bei Erregern, die sich so, wie das derzeitige Influenzavirus verhalten, die Haltungsbedingungen, die diese Tiere gewohnt sind beibehalten und lediglich anordnen, dass weder Geflügel aus diesen Beständen das Grundstück verlassen darf, noch neues Geflügel von außen eingebracht werden darf.

Der Argumentation, dieses Geflügel würde damit die Bestände des Wirtschaftsgeflügels gefährden kann ich so ebenfalls nicht folgen. Die Gefährdung ist nicht durch das Virus selbst erhöht, sondern durch die in ihrer Wirksamkeit äußerst fragwürdigen Bestimmungen  unserer Seuchenschutzverordnung.

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Ihr wahrer Feind ist nicht das Virus…

Zur Zeit werden, wenn ein infiziertes Tier identifiziert wird, nicht nur die kompletten Bestände vorsorglich getötet, sondern vielfach auch sämtliche Bestände im Umkreis von einem Kilometer – vorsorglich – völlig unabhängig davon, ob diese Bestände aufgestallt waren oder nicht oder ob sie infiziert sind oder nicht. Und es liegt ganz im Ermessen der ausführenden Behörde, ob sie in diesem Kilometerradius auch jeden im Haus gehaltenen Ziervogel – also praktisch alles, was Federn hat, mit töten. Und das auch, wenn eine verendete, infizierte Wildente nur ein paar Meter neben dem Grundstück gefunden wird.  In mehrfacher Hinsicht kann ich diese Regelung nicht nachvollziehen:

Es heißt, dass das Virus  mehrere Tage pathogen ist. Ein infiziertes Tier, z.B. eine infizierte Wildente kann also durchaus schon 30 oder 40 oder noch mehr Kilometer mit dem Virus im Gepäck hinter sich gebracht haben, bevor sie irgendwo tot zu Boden ging. Wie und warum also einen „Schutzkreis“ von einem Kilometer? Müsste man dann bei dieser Logik nicht konsequenterweise beim Fund eines infizierten Vogels den gesamten Bereich seiner Reichweite innerhalb von xy Tagen vorsorglich töten– also bei einigen Vogelarten vermutlich sämtliches Geflügel in ganz Schleswig Holstein?

…um Missverständnissen vorzubeugen – das halte ich natürlich für genau so wenig sinnvoll, wie die 1 km Regelung.

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…ihre wahre Bedrohung ist die Politik

Ich frage mich, was soll das „vorsorgliche Keulen“ gesunder Bestände bringen? Natürlich sollte alles unternommen werden, was nötig ist, um Gefahr vom Verbraucher abzuwenden. Aber ich glaube nicht, dass es im Interesse des Verbrauchers ist, dass zig tausende kerngesunde Tiere in der Geflügelhaltung getötet und auf den Müll geworfen werden, ohne, dass dies irgendetwas an der Sicherheitslage ändert.

Natürlich ist es richtig, die kranken Tiere aus dem Verkehr zu ziehen – gerade, wenn es sich um Tiere handelt, die der Lebensmittelgewinnung zugeführt werden. Aber gerade dort, wo diese Tiere „produziert“ werden, existieren bereits mit den Haltungssystemen hermetisch abgeriegelte „Hochsicherheitstrakte“.  Es wäre also durchaus auch möglich, die Bestände, in denen ein paar infizierte Tiere gefunden werden, unter Quarantäne zu stellen und zu schauen, ob sich wirklich der gesamte Bestand infiziert.

Wie kann man überhaupt von einem „hochpathogenen“ Virus sprechen, wenn überhaupt nicht abgewartet wird, wie viele Tiere wirklich betroffen sein werden?

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Bei den Wildvögeln scheint es nicht so hochpathogen abzulaufen, sonst hätten wir nicht die super niedrige Zahl der Totfunde gemessen am gesamten Zugvogelaufkommen.

Bei unserem Nutzgeflügel wird dagegen durch die Art der Veröffentlichungen seitens unserer Behörden eine Informationspolitik betrieben, die sehr irreführend ist.

Da spricht man von zig tausend Tieren, die gekeult werden mussten wegen der „Geflügelpest“ – eventuell findet man irgendwo im „Kleingedruckten“ noch mal den Hinweis, dass ein bis eine handvoll Tiere positiv getestet wurden. Mit anderen Worten, der Rest der Tiere waren gesund gekeult. 

Im Rückblick bleibt nicht hängen:
Bei der Geflügelpest 2016 wurden zwar über 100tsd Tiere vorsorglich gekeult, aber nur z.B. 100 waren positiv – im Rückblick bleibt hängen:

2016 war die gigantische Geflügelpest, der über 100000 Hühner zum Opfer gefallen sind.

Ich denke, wenn bei mir als kleinem, privaten Hühnerhalter, wo kein Warenverkehr stattfindet, kein Huhn den Hof verlässt und keines hinzu kommt, wenn bei mir ein Huhn durch das Virus tot umfällt, dann gefährdet das Virus in diesem Huhn keinen einzigen Wirtschaftsgeflügelhalter in der Umgebung. Gefährdet ist dieser Wirtschaftsgeflügelhalter ausschließlich durch unsere derzeitige Seuchengesetzgebung und ihre Ausführungsverordnungen – hier sollte angesetzt und etwas verändert werden.

Die Aussage unseres Landwirtschaftsministers, dass diese Maßnahmen ja auch zum Schutz der kleinen Geflügelhalter sei, deren Hühner bei Kontakt mit dem Virus elendlich krepieren könnten (das weiß man nicht einmal genau)  ist ebenfalls Augenwischerei, denn egal, ob die Hühner ordnungsgemäß aufgestallt sind oder nicht – egal, ob sie das Virus überhaupt haben oder nicht, im Zweifelsfall wird der Bestand so oder so vorsorglich gekeult. Bei Kontakt mit dem Virus hat mein Huhn, wenn es fit und sein Immunsystem intakt ist,  eine gute Überlebenschance mit unserer derzeitigen Verordnung ist seine Chance auf Überleben in dem Moment gleich Null, in dem im Umkreis von einem Kilometer eine Infektion  gefunden wird – und das selbst dann, wenn es kerngesund ist.

Last not least würde ich mir wünschen, dass unsere Berichterstattung etwas mehr sachliche Aufklärung hinsichtlich dieser Erkrankung betreibt. Ich unterhielt mich gerade mit einem Verbraucher, der mit Hühnern und Krankheit etc. nichts am Hut hat. Er meinte, ich müsse ja gigantische Panik haben, dass diese Pest meinen Bestand dahin rafft. Ich entgegnete, dass das Virus mir keine Sorge bereiten würde, aber unsere Behörden umso mehr.

Mein Gesprächspartner entgegnete daraufhin, dass ich gar nicht wüsste, wovon ich rede – ich solle mich mal schlau machen, wie furchtbar die Pest zuletzt Mitte bis Ende des 19 Jahrhunderts weltweit gewütet habe. Mir blieben bei dieser Aussage erstmal die Worte weg, bevor ich ihm erklären konnte, dass die Pest ungefähr soviel mit der Influenza gemein hat, wie ein Karpfen mit einem Wüstenfuchs: es sind beides Tiere……

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Wie  eingangs gesagt, ich würde mich sehr freuen, wenn sich  Medien finden würden, die ihrem Anspruch, unabhängigen Journalismus zu betreiben wirklich  gerecht werden und bereit sind, diese Thematik einmal unvoreingenommen und unter Berücksichtigung auch gegenteiliger Erkenntnisse aus Wissenschaft und Geflügelhaltung, aber auch aus ornithologischer Sicht  zu recherchieren und zu diskutieren.

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