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Wildvogelfütterung durchs Jahr

Wildvogelfütterung durchs ganze Jahr wird immer populärer, um unsere Wildvögel zu unterstützen.

Vielerorts ist eine Unterstützung unserer Singvögel auch notwendig, da die großflächige Vernichtung von Flora und Fauna unseren Vögeln nicht mehr genügend Nahrung liefert.

Doch was ich beobachte, ist keine maßvolle und für die Vögel wirklich sinnvolle Unterstützung, sondern massenhaftes Verteilen falscher Futter zur falschen Zeit – mit fatalen Folgen!

Liebe Leute,
lasst doch bitte, bitte die Sommerfütterung von Fettfuttern wie Knödeln, Pasten, gefetteten Flocken, Nüssen und Sonnenblumenkernen und was sonst noch alles so am Markt ist jetzt im Sommer!

Gerade Spatzen und Meisen füttern das Zeug häufig auch an ihre Brut, wenn hinreichend Insekten herumkriechen.
Einfach, weil es bequemer ist vom Knödel zum Kasten und zurück.

ein vielfältiger, insektenfreundlicher Garten ist die beste Vogelfütterung

Wenn Ihr etwas machen wollt, sorgt für ein insektenfreundliches Umfeld (viel Totholz, Blühpflanzen, Efeu, Miniteich oder Tümpel etc.) und wenn ihr zusätzliches Futter anbieten wollt, dann richtet Euch bitte mit Eurem Angebot nach der Natur:

Was Vögel im Sommer natürlich vorfinden, wenn die Vegetation vorhanden ist, sind Sämereien von heimischen Wildkräutern und Gräsern. z.B. Brennesselsamen, Birkensamen, die verschiedenen Grassamen, Hirtentäschelsamen, Klee-, Nachtkerze-, Sauerampfer-, Schafgarbensamen, Vogelmiere-, Wicken-, Wegerich- und Wiesenknopfsamen etc.

Die Sonnenblume stellt ihre Kerne erst im Herbst bereit – damit die Vögel sich ihren “Winterspeck” anfressen können

Fette Samen und Saaten, die erst im Herbst kommen, wie z.B. Sonnenblumenkerne, Nüsse und Co. gehören nicht in die Sommerfütterung.
Sie dienen in der Natur zum Auffüllen der Fettspeicher, damit die Wildtiere den von Natur aus nahrungsarmen Winter überstehen können oder bei vielen Zugvogelarten, damit sie sich im Herbst die Fettreserven anlegen können, die sie für den tausende Kilometer langen Langstreckenflug benötigen, der oft ohne oder nur mit sehr geringer Nahrungsaufnahme einher geht.

Auch, wenn man manchmal aus scheinbar kompetentem Munde so Dinge hört wie:
“die Vögel benötigen Fett, um die Flugmuskulatur aufzubauen”
Das ist blanker Unsinn.
Kein Hochleistungssportler käme jemals auf die Idee, Fett als primäres Nahrungsmittel aufzunehmen, um seine Muskulatur aufzubauen – er ernährt sich in erster Linie von hochwertigsten Proteinen.
Und hochwertige Proteine finden unsere Wildvögel für ihre Brut – bis auf ganz wenige Ausnahmen, die diese aus Sämereien beziehen – ausschließlich aus frischen/frisch toten (KEINE getrockneten) Insekten.

Was übermäßige Fettaufnahme zu einer Jahreszeit, wo dieses Fett gar nicht für z.B. Hungerperioden, Wärmeproduktion und/oder Langstreckenflug verbraucht wird, anrichtet, wird auf dieser australischen Seite einer Vogelklinik sehr schön beschrieben.
Es handelt sich hier zwar um das Blut eines bei uns als Ziervogel gehaltenen, dort aber als Wildvogel heimischen Tieres und das Prinzip ist bei unseren Gartenvögeln dasselbe.

Auch getrocknete Insekten sind KEIN geeignetes Angebot für unsere Wildvögel – weder im Sommer, noch im Winter.
Getrocknete Mehlwürmer beispielsweise, haben durch den Trocknungsprozess einen viel höheren Fett-und vor allem Salzgehalt, als ihre lebenden oder tiefgekühlten Artgenossen.

Insofern:
Insektenangebot ist super – aber besser lebend oder aus dem Tiefkühlfach aufgetaut.

Und wer es nicht glaubt, dass die Vogeleltern die Knödel und Nüsse auch an ihre Nestlinge verfüttern:

Quer durch Deutschland berichten die Pflegestellen udn Stationen jedes Jahr häufiger von fürchterlich unter Koliken leidenden Vogelküken, deren Bäuche vollgestopft sind mit Sonnenblumenkernen und Knödelfett.
Sehr viele versterben elendlich an Darmverschluss, weil sie die dicken Brocken nicht wieder ausscheiden können.
Diejenigen, die es überleben, entwickeln immer häufiger gravierende Schäden an Beinen (Rachitis), Gefieder und inneren Organen durch die eklatante Fehlernährung.

Spatzenküken – an Darmverschluß elendlich krepiert, da mit Sonnenblumenkernen von den Eltern gefüttert

Ich selbst habe zahlreiche Spatzenküken in diesem Jahr bekommen, von denen viele elendlich krepierten – und die, die es schafften, waren schwer geschädigt.
Dies ist ein Spatzen-Nackedei von vielen, der dieses Jahr zu mir kam und in meiner Hand elendlich an Verstopfungskolik krepierte – er war vollgestopft mit Knödelmasse und Nüssen – er kam aus einem wilden Naturgarten, der eigentlich geeignete Nahrung genug bot für die Spatzeneltern – aber er bot auch Vogelfutterstellen mit Knödeln und allem, was der Futtermarkt so hergab.

Spatz mit verkrüppelten Beinen (Rachitis) aufgrund von Fehlernährung durch die Eltern mit Knödelmasse

Dies ist ein Spatz, der es zwar geschafft hat, obwohl auch er als Nackedei kam und den Darm voll hatte mit Futter von einer Futterstelle (das glücklicherweise unverdaut als stinkender Kot über zwei Tage abging) – aber um welchen Preis?
Seine Gliedmaßen sind verformt – man nennt es Rachitis, eine Folge der Fehlernährung.
Er wird niemals auswilderungsfähig sein.

Eine Feldstudie aus Berlin hat darüber hinaus weitere massive Beeinträchtigungen bei den Vögeln als Folge der Fettfütterung im Sommer festgestellt.

Gerne bringen Befürworter der intensiven Fettfütterung rund ums Jahr auch den Geo-Bericht einer Studie aus ENgland als Argument für diese Form der Fütterung an.
Bei dieser Studie handelt es sich um eine reine Auswertung von Zahlen, die durch private Vogelzählungen in Gärten mit Futterstellen über rund 40 Jahre stattfanden.

Dieselbe Autorin (Plummer) beschreibt mit anderen Kollegen 2013 eine Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass z.B. bei Blaumeisen eine Fett(knödel)fütterung im Winter unter anderem zu beeinträchtigter Eierproduktion in der darauf folgenden Brutperiode führte
und hier ging es “nur” um WInterfütterung….

Fettfutter (dazu gehören neben Knödel und Co auch Sonnenblumenkerne und Nüsse) gehören in den Herbst und Winter – darum stellt sie die Natur auch erst im Herbst bereit.
Eine Tatsache, die die Futterindustrie nicht gerne hört und mit allen Instrumenten des Marketings versucht, dagegen zu halten.
Immerhin ist gerade der Vogelfuttermarkt für Fettfutter ein milliardenschweren Geschäft, was sich besonders dadurch auszeichnet, dass die Zutaten und damit die Herstellung sehr günstig zu haben und als Endprodukt richtig schön teuer (im Verhältnis zur Herstellung) zu verkaufen sind.

Mit anderen Worten: eine super Spanne!
Hochwertige Sämereien bieten diese Spanne lange nicht, denn sie sind in der Beschaffung deutlich teurer als Schlachtabfälle, Palm- und Kokosfette.

Darüber hinaus macht eine Fütterung der Vögel nur da Sinn, wo ich Ihnen auch geeignete Lebensstätten in Form von z.B. dichten Büschen und Hecken biete, die nicht mitten in der Brutsaison kurzgeschoren werden , so dass die dort drin befindlichen Nester der Heckenschere zum Opfer fallen.

Wenn ich den Wildvögeln keine Lebensräume biete, dann sollte ich sie tunlichst auch nicht durch Fütterung anlocken.

Das häufig auf diese Ausführungen vorgebrachte Argument:
“Sommerfütterung muss sein – oder sollen die Vögel etwa verhungern? ”
dem stimme ich voll zu.
ABER:
Sommerfütterung mit falschem, weil schädlichem Futter ist wie “Feuer mit Öl bekämpfen zu wollen” – die Vögel kommen vom Regen in die Traufe.
Also bitte, warum nicht den Vögeln wenn, dann geeignetes Futter bereit stellen, was ihnen ihr Überleben nicht noch schwerer macht, als es ohnehin schon ist.
Zumal wir geeignete Alternativen haben!

Last not least noch ein kleiner Nachtrag:
oft höre ich von Leuten, die ihre Sommerfütterung auf Sämereien umgestellt haben, dass die Vögel die “aber nicht mögen”, sondern die Sämereien einfach liegen lassen, während sie über die Knödel immer förmlich hergefallen sind.
Ja, das stimmt.
Dort, wo die Vögel doch genügend natürliches Futter in Form gerade reifer, frischer Sämereien und lebender Insekten finden, dort werden sie unsere getrockneten Sämereien liegen lassen.
An Fettfutter hingegen gehen sie trotzdem sofort ran – das ist wie die Schokolade, die bei uns “immer rein passt”, auch, wenn wir direkt daneben massenweise gesündere Kost in Form von frischem Gemüse z.B. zur Verfügung hätten.

Häufig werde ich auch gefragt, wo man denn solche fertigen Sämereienmischungen ohne Sonnenblumenkerne, Nüsse und gefettete Flocken her bekommt.
In vielen Futtermärkten und Onlineshops werden reine Sämereienmischungen meist unter dem Namen “Waldvogelfutter” oder “Zeisigfutter” angeboten.
Die Zusammensetzung sollte man aber immer kontrollieren:
Manchmal werden auch in diese Mischungen Sonnenblumenkerne, gefettete Flocken oder Nussbruch rein geschummelt.

Und auch Geschmacks-, Farb- und Konservierungsstoffe haben in KEINEM Futtermittel irgendetwas zu suchen.
Bieten Futtermittelanbieter Einzelkomponenten (Sämereien, Beeren etc. ) an, sollte man idealerweise recherchieren, welche Pflanzen um die Jahreszeit, wo gefüttert wird, auch aussamen und die bestellen.
Das sind beispielsweise Gräser aller Art, Wildkräuter (“Unkräuter”) aller Art etc.


Für eine sinnvolle und gesunde Ergänzungsfütterung im Sommer.

Zur Info:
gerne dürfen sich Anbieter zwecks Verlinkung hier melden, falls sie in ihrem Wildvogelfutterangebot eine klare Differenzierung für Sommer- und Winterfütterung vornehmen und die angebotenen Sommerfutter den oben beschriebenen Kriterien entsprechen und vollständig deklariert sind.

Hier bekommt man zum Beispiel geeignete Futtermittel zur Sommerfütterung:

Bei Birds and More bekommt man Einzelsaaten alphabetisch sortiert oder man schaut sich mal bei den Mischungen für kleinere Ziervögel um wobei man bei den Fertigmischungen genau die Zusammensetzung durchlesen und ausschließen sollte, dass man eine Mischung erwischt, in der auch Sonnenblumenkerne oder andere fette Kerne und Samen enthalten sind.

Bei Zoo-Papp gibt es bei den Wildvogelfuttern eine Sommermischung.
Die anderen dort angebotenen Saatmischungen und Fettfutter kann ich für den Sommer nicht empfehlen.
Außerdem gibt es hier lebendige und tiefgekühlte Insekten, die zur Wildvogelfütterung geeignet sind.
Die dort ebenfalls im Sortiment befindlichen getrockneten Insekten würde ich für die Wildvogelfütterung weder im Sommer noch im Winter empfehlen.

Von dem Hersteller “Rudloff” gibt es drei verschiedene Mischungen als Sackware (zwei davon auch mit Wildsaaten) unter den Namen “Waldvogelfutter” (Wald mit “a”, nicht “Wild”….), “Waldvogelfutter Top” und “Zeisigfutter”
Diese Mischungen sind ebenfalls geeignet, da sie ausschließlich aus kleinen Sämereien ohne große oder fette Kerne zusammengesetzt sind.
Diese Marke findet man bei relativ vielen Futterhändlern im SOrtiment.


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