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Erste Schritte – selbst päppeln

Erste Schritte, wenn man selbst päppeln will

Wenn Sie Ihren kleinen Pflegling selbst päppeln möchten, gilt es, einige Vorbereitungen zu treffen, damit Sie den Kleinen gesund und zügig  groß bekommen.

Zu allererst müssen Sie versuchen, so sicher wie möglich zu bestimmen, um was für einen Vogel es sich bei Ihrem Findling handelt.
Dann sollten Sie sich mit Hilfe von Vogelsteckbriefen über das natürliche Leben dieser Vogelart mit all ihren Facetten informieren. Hierbei ist besonders wichtig, dass Sie darauf achten, ob die in den Steckbriefen beschriebene Ernährung für die Altvögel oder für die Nestlinge gilt, denn oft füttern die Eltern ihren Kindern etwas anderes, als sie selber fressen.

Hier finden Sie z.B. eine Vielzahl hervorragender Vogelsteckbriefe, und auch Wikipedia liefert für viele Vogelarten sehr fundierte und umfangreiche Informationen.

Bevor Sie nun weiter lesen, sollten Sie sich zunächst überlegen, welchen Weg Sie generell bei der Pflege Ihres Findlings einschlagen möchten.
Es gibt unendlich viele Ansätze und Ratschläge, die sich teilweise auch widersprechen, was eine korrekte Wildtieraufzucht anbelangt. Weit verbreitet ist der Rat, je nach Vogelart eine Futtermischung aus im Zoohandel gekauften, lebenden und vor dem Verfüttern abgetöteten oder gefrorenen Insekten und verschiedenen, künstlichen Mineralfuttern (von denen viele absolut ungeeignet sind), herzustellen. Auch hinsichtlich der Haltungsbedingungen und des Umgangs gibt es unterschiedliche Auffassungen. Gemein haben nahezu alle Ratschläge, dass die Zöglinge in irgendeiner Form „gefangen“ aufwachsen und fliegen lernen und erst im Anschluss eine Auswilderung stattfindet.

noch ist Krah auf meine Fütterung und meinen Schutz angewiesen, doch sie nabelt sich täglich weiter ab....
noch ist Krah auf meine Fütterung und meinen Schutz angewiesen, doch sie nabelt sich täglich weiter ab….

Mein Ansatz, der sich bei mir seit Jahren bewährt hat und der sich für eine private Aufzucht, wo man es meist nur mit einem oder zwei Zöglingen zu tun hat,  auch gut realisieren lässt, basiert auf einer möglichst freien und naturnahen  Aufzucht. Die Ernährung erfolgt weitestgehend mit denselben oder sehr ähnlichen Futtertieren, die die Eltern auch verfüttern würden und die täglich frisch aus der Natur gefangen werden. Die Unterbringung der Zöglinge erfolgt in Nestern die  so naturnah wie möglich dem Nest der Vogelart angepasst und platziert sind. Idealerweise kann ich den Findlingen von Anfang an direkten visuellen und/oder  akustischen Kontakt zu ihren wilden Artgenossen ermöglichen.

Freiheit so früh wie möglich.....
Freiheit so früh wie möglich…..

Auch auf das Risiko hin, dass sie von einem Feind erlegt werden, lernen sie das Fliegen nach dem Verlassen ihres Nestes möglichst genau so, wie sie es auch bei ihren Eltern lernen würden:  draußen. Ich bin nach Verlassen des Nestes ihre wichtigste Bezugsperson.

....und jagen draußen lernen macht den Übergang in die Freiheit fließend
….und jagen draußen lernen macht den Übergang in die Freiheit fließend

Zu mir kommen sie, wenn sie Hunger haben, um sich ihr Futter abzuholen und mir folgen sie, wenn ich voraus gehe und ihren vertrauten Futterruf von mir gebe. So zeige ich ihnen von Tag zu Tag ein Stück mehr vom Grundstück und von der „weiten Welt“. Je weniger die Vögel mit der Zeit auf die Zufütterung durch mich angewiesen sind,  je mehr sie sich draußen selbst versorgen können und je mehr Anschluss an Artgenossen sie finden, desto seltener kommen sie noch rein, um sich einen Snack abzuholen oder um drinnen zu schlafen. Irgendwann bleiben sie auch die erste Nacht weg und wenn sie merken, dass sie auf mich nicht mehr angewiesen sind, um überleben zu können, nabeln sie sich mehr oder weniger schnell ab.

Diese „freie“ Form der Aufzucht scheint den Vögeln den erfolgreichen Übergang vom Nestling zum erwachsenen Jungvogel auch ohne Eltern am einfachsten zu ermöglichen.  Andererseits ist diese Form der Aufzucht etwas aufwändiger, als die anderen Formen – ganz besonders in den ersten Tagen, die dem ersten Verlassen des Nestes folgen.

Diese Form der Aufzucht hat mich komplett überzeugt und diese Aufzucht ist das, was ich auf dieser Web-Page vermitteln möchte. Sollten Sie eher eine Form der oben genannten Aufzuchtempfehlungen mit gekauften Futtertieren in Kombination mit Zusatzpulvern bevorzugen, so müssen Sie sich die entsprechenden Informationen aus dem Internet suchen. Bei der Wildvogelhilfe finden Sie z.B. diesbezüglich sehr umfangreiche Informationen, deren Qualität ich aber mangels eigener Erfahrung nicht beurteilen kann.

Gefiederschäden sind oft die Folge falscher Nährstoff-zusammensetzungen
Gefiederschäden sind oft die Folge falscher Nährstoffzusammensetzungen – Claudi wurde nur 2 Tage falsch gefüttert

Ich habe im Rahmen meiner Beratungsgespräche immer wieder erfahren, dass es bei Aufzuchten durch „Laienpäppler“ sehr oft zu kleineren oder größeren Entwicklungsstörungen oder auch irreparablen Schäden an Gefieder, Skelett und/oder ZNS kam. Und das, obwohl sich die Päppler ganz genau an die Empfehlungen von Tierärzten, Wildvogelstationen oder Infoseiten im Internet gehalten haben. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass all die Empfehlungen falsch sind (obwohl hier sehr, sehr viele falsche Empfehlungen im Umlauf sind, die zu folgenschweren Fehlentwicklungen führen). Viel eher ist es so, dass dem „Laienpäppler“ oft die Erfahrung fehlt, rechtzeitig erkennen zu können, wenn bei den Zusammenstellungen und Dosierungen der Ersatznahrung etwas geändert werden muss.

Oft ist es, ganz besonders bei Zugvögeln wie Schwalben oder Mauerseglern bereits zu spät, wenn dem Päppler auffällt, dass etwas schief läuft. Bei der Naturfütterung gibt es diese Probleme naturgemäß nicht, da durch das Futtertier selbst bereits automatisch bedarfsgerecht gefüttert wird.

Wenn Sie sich für die naturnahe Aufzucht entschieden haben, finden Sie in den nachfolgenden Kapiteln eine ausführliche Beschreibung aller zu berücksichtigenden Punkte.

Welchen Vogel habe ich?