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Futtertiere

Futtertiere richtig auswählen

Die Auswahl der richtigen Futtertiere entscheidet darüber, wie gesund und schnell der Zögling gross wird.

Die Fliege

Fliegen sind ein ideales Erste-Hilfe-Futter
Fliegen sind ein ideales Erste-Hilfe-Futter

Sie ist für mich das wichtigste und wertvollste Futtertier: die ganz normale Fliege, die ich aus der Natur vor der Tür frisch klatsche. Die Fliege ist leicht verdaulich und sie scheint über eine extrem vielfältige Nährstoffzusammensetzung zu verfügen, die offensichtlich alle Singvögel unserer Breiten gut vertragen. Dass die frisch geklatschte Fliege so „gehaltreich“ daher kommt, liegt denke ich daran, dass sie sich so vielfältig ernährt. Fliegen landen auf absolut allem, was ihnen auf ihrer Flugbahn begegnet und ernähren sich davon. Morgens auf dem Pferdehaufen, anschließend an der Blüte einer wilden Möhre, dann am Fleischrest eines Hundeknochens, zwischendurch auf dem Fell einer Kuh, nachmittags auf dem Kirschkuchen und abends am Käsebrot.
Insofern denke ich, bekommt der kleine Vogel mit jeder Fliege eine etwas andere Nährstoffzusammensetzung – je nachdem, was die Fliege zuletzt gefressen hat.

Da sie gleichzeitig im Sommer überall sehr leicht zu beschaffen ist und man auch bei allerkleinsten Pfleglingen keine Fehler bei der Verfütterung der Fliegen machen kann, ist sie das Ideale  „Erste Hilfe Futter“ und ein reichhaltiges Grundfutter für die weitere Aufzucht der meisten Singvogelküken. Dies gilt natürlich nur für frisch aus der Natur gefangene Fliegen. Im Futterhandel gekaufte Zuchtfliegen liefern nicht im Ansatz eine solche Nährstoffvielfalt, da sie unter künstlichen Bedingungen gezüchtet und ernährt wurden. Der einzige Nachteil von Fliegen ist, dass sie so klein sind und somit, wenn man mal nur Fliegen zur Verfügung hat,  recht viele Fliegen notwendig sind, um den jungen Vogel satt zu bekommen. Rund 1000 Fliegen pro Tag verdrückt zum Beispiel ein Schwalbenküken spielend, wenn es keine anderen Futtertiere erhält. Mauersegler können ihren Küken sogar bis zu 20 000 kleine Fluginsekten pro Tag und Tier verabreichen!

in einem Glas mt frischem Wasser lassen sich die frisch gefangenen Fliegen "sammeln" - dies ist die Ausbeute von 5 Minuten Kecherjagd in einem Kälberstall
in einem Glas mt frischem Wasser lassen sich die frisch gefangenen Fliegen “sammeln” – dies ist die Ausbeute von 5 Minuten Kecherjagd in einem Kälberstall

Um Fliegen zu fangen, die sie frisch verfüttern können, brauchen Sie ein Glas mit etwas frischem Wasser drin (z.B. Marmeladenglas) und eine Fliegenklatsche. Fliegen gibt es überall – auch wenn man sie vielerorts nicht so deutlich zu Gesicht bekommt, wie in einem Pferdestall. Man kann sich entweder Fliegen anlocken, indem man z.B. stinkenden Pansen oder ein stinkendes Käsebrot auslegt. Auch eine tote Maus zieht schnell Fliegen an, da die Fliegen in diesem Kadaver ihre Eier ablegen, um den daraus schlüpfenden Maden von Anfang an eine ergiebige Futterquelle zu bieten. Natürlich sollten Sie die Fliegen nur neben dem Lockmittel klatschen und nicht darauf, damit die toten Fliegen nicht durch die Lockfutter verunreinigt werden. Die geklatschten Fliegen können Sie dann direkt in Ihr Wasserglas befördern. So behalten die Fliegen ihren Feuchtigkeitsgehalt und sie können, falls sie nur betäubt waren nicht gleich wieder flüchten. Sie können Fliegen auch auf Vorrat klatschen.

tiefgekühlter Fliegenvorrat
tiefgekühlter Fliegenvorrat

Zu diesem Zweck benötigen Sie ein trockenes Glas mit Deckel oder eine Tiefkühl-Vorratsbox. Die Fliegen, die sie nicht am selben Tag verfüttern wollen, wandern in dieses Gefäß, welches, wenn sie genügend Fliegen beisammen haben, direkt mit Deckel in den Gefrierschrank wandert. Hier sollten Sie darauf achten, dass die geklatschten Fliegen vor dem Einfrieren maximal einen halben Tag alt sind.
Um sich schnell einen großen Vorrat anzulegen, lohnt es sich, auf eine Reitanlage oder auf einen Bauernhof zu fahren. Niemand wird dort etwas dagegen haben, wenn Sie ihr Anliegen schildern und Fliegen klatschen möchten. Wenn Sie eine Kühlbox gefüllt mit einigen Gläsern mitbringen und ein paar mehr Fliegenklatschen im Gepäck haben, finden Sie auf Reiterhöfen oft schnell jugendliche Helfer, die mit viel Vergnügen mit klatschen.

Ansonsten halten Fliegen sich am liebsten auf windstillen Flächen auf. Morgens z.B. sitzen bei mir die Hauswände an der Ostwand voll. Die Fliegen lassen sich da nieder, um sich nach der kühleren Nacht in der aufgehenden Sonne aufzuwärmen und Licht zu tanken. Gegen Mittag sind sie an den Südwänden und dort, wo sie Nahrung finden zu suchen und kurz vor Sonnenuntergang, wenn die Luft schon wieder kühler wird, suchen sie die Wände im Südwesten und Westen auf, die vom Nachmittag  noch aufgeheizt und von den letzten Sonnenstrahlen beschienen sind.
Größere Mengen an Fliegen fange ich mit einem Kecher.

Den mittleren Kecher verwende ich zum Fliegen fangen, den linken Kecher (ein umgebauter Tennisschläger mit tiefem, feinen Netz) für Wiesenplankton und den rechten Kecher für Grashüpfer und Schuster.
Den mittleren Kecher verwende ich zum Fliegen fangen, den linken Kecher (ein umgebauter Tennisschläger mit tiefem, feinen Netz) für Wiesenplankton und den rechten Kecher für Grashüpfer und Schuster.

Entweder kechere ich auf einer Wiese schnell über das Gras, was den Vorteil hat, dass ich auch noch eine Vielzahl anderer, kleiner Fluginsekten erwische – das sogenannte Wiesenplankton – hier muss die Beute hinterher allerdings in einer Müslischale mit Wasser mittels Pinzette säuberlich von pflanzlichen Teilen (Sämereien und Co.), Schnecken, Wespen, etc. getrennt werden – ganz besonders, wenn Sie einen reinen Insektenfresser wie Schwalbe oder Mauersegler fütteren!- oder ich kechere große Mengen an Fliegen direkt von ganz frischen Pferdehaufen oder im Futtergang bei einem Rinderbauern. Damit die Kechernetze nicht gleich kaputt stoßen, schütze ich die Ränder mit Klebeband.

Bitte beachten SIe, daß Fliegen nur eine ausreichende Nährstoffvielfalt liefern, wenn sie aus Freifang stammen.
Eine Fliegenzucht kann, egal wie gut die Fliegen ernährt werden, nicht an die Qualität der Freifangfliegen heranreichen.

Das Heimchen

Heimchen sind das zweite Futtertier in der Vogelaufzucht, die wahre Allrounder sind. Sie werden ebenfalls von fast allen Jungvögeln vertragen, liefern allerdings eine deutliche geringere Nährstoffvielfalt als Fliegen. Ein Grund ist unter anderem, dass wir Heimchen hier selten als Freifang finden. Heimchen werden im Internet oder im Heimtierhandel in der Reptilienabteilung als gefrorenes oder als Lebendfutter angeboten. Sie stammen aus großen Zuchten und werden dort meistens vergleichsweise einseitig und mit Fertigfutterpräparaten ernährt.
Die Heimchen, die lebend verkauft werden, haben in ihren kleinen Plastikdosen eine lange Reise vom Züchter bis ins Ladenregal hinter sich. Abgesehen davon, dass sicherlich auch diese kleinen Tierchen unter solchen Bedingungen unendlich leiden, sind sie, wenn wir sie verfüttern wollen bereits halb verhungert und verdurstet.  Die tiefgefrorenen Heimchen werden direkt beim Züchter eingefroren. Mit ziemlicher Sicherheit sind diese Heimchen nicht so ausgehungert, wie lebende Heimchen. Allerdings kann ich beim Abtauen schwer feststellen, ob, wie lange und wie viele Heimchen zum Zeitpunkt des Einfrierens bereits tot waren. Für sehr fütterungsempfindliche Vogelarten kann so ein tot eingefrorenes Heimchen unter Umständen verhängnisvoll sein. Eingefrorene Heimchen sollten darum nach dem Abtauen genauestens sortiert werden:
Tiere, die schwarze Verfärbungen am Bauch aufweisen, verkrüppelt wirken oder matschig, sollten Sie genau so aussortieren, wie Futterreste.

...so sollen tiefgekühlte Heimchen aussehen.....
…so sollen tiefgekühlte Heimchen aussehen…..
....hier war vermutlich die Kühlung unterbrochen. Diese Heimchen sind zum Verfüttern nicht geeignet.
….hier war vermutlich die Kühlung unterbrochen. Diese Heimchen sind zum Verfüttern nicht geeignet.

 

 

 

 

 

Ich verwende Heimchen möglichst nur als Ergänzung zu frisch gefangenen Futterinsekten, wenn ich von den frisch gefangenen Insekten nicht genug für eine ganze Mahlzeit habe. Wenn ich auf Heimchen zurück greifen muss, dann bemühe ich mich, diese Mahlzeit zumindest mit ein paar Freifanginsekten zu mischen. Wenn ich nur 1, 2 oder 3 Zöglinge zu versorgen habe, kaufe ich nur lebende Heimchen aus derReptilienabteilung unseres Zoohandels hier vor Ort – ich erfrage dort, wann eine neue Lieferung kommt und hole mir die Tiere noch am selben Tag – oder ich bestelle die Heimchen online.  Hier in meinen links habe ich ausführlich beschrieben und verlinkt, wo ich Heimchen kaufe und wie ich verfahre.

Heimchen kann man gut in großen Plastikboxen auffüttern.....
Heimchen kann man gut in großen Plastikboxen mt einer Feinstrumpfhose als Deckel auffüttern…..

Zu Hause habe ich drei hochwandige,  große  Plastikboxen, die mit trockenem Kies, frischen Zweigen verschiedener Gehölze und einer Vielzahl frischer Wildkräuter, Gräser und Sämereien von meiner Streuobstwiese bestückt sind. Diese Gräser- und Kräutersträusse wechsel ich täglich gegen Neue aus.

...indem man ihnen ein vielfältiges Nahrungsangebot aus der Natur sammelt
…indem man ihnen ein vielfältiges Nahrungsangebot aus der Natur sammelt

Den Deckel der Boxen habe ich durch eine Feinstrumpfhose Größe 60 (die passt über die Box) ersetzt, so dass in der Box genügend Sauerstoffaustausch stattfindet, ohne, dass die Heimchen abhauen. Die frisch gekauften Heimchen setze ich in diesen Boxen aus und halte sie dort einige Tage, bevor ich sie einfriere. Zum einen erreiche ich dadurch, dass die Heimchen sich vom Transportstress erholen können und noch richtig vielfältig ernährt werden, bevor ich sie einfriere und zum anderen stelle ich so sicher,  dass wirklich nur lebende, „glückliche“  Heimchen im Tiefkühler landen.

Habe ich viele Zöglinge zu versorgen, käme ich mit der Auffütterung lebender Heimchen allein nicht hinterher. In diesem Fall kaufe ich zusätzlich bereits beim Züchter eingefrorene Heimchen über das Internet.

Hier müssen Sie unbedingt darauf achten, dass Ihr Lieferant:

  • mit Trockeneis versendet  (Kühlakkus halten die Heimchen nicht gefroren und die Qualität der Heimchen ist nicht mehr für Wildvogelaufzucht geeignet)
  • die tiefgekühlten Heimchen trocken und “streufähig” sind, also keine gefrorenen Heimchenklumpen in der Box sind (das spräche für fehlerhaftes Einfrieren oder vorangegangene Unterbrechungen der Kühlkette)
  • die Heimchen einen schieren Eindruck machen –  die Bäuche müssen schön hellbeige, fast weiss sein
  • die Heimchen nach dem Abtauen nicht stinken.
  • die Heimchen sich nicht innerhalb von weniger als einer halben Stunde nach dem Abtauen am Bauch dunkel verfärben (das spricht ebenfalls für Fehler beim Einfrieren, dafür, dass bereits tote Heimchen eingefroren wurden oder es Probleme in der Kühlkette gab).

Die tiefgekühlten Heimchen haben ebenso wie alle anderen eingefrorenen Futterinsekten den Vorteil, dass ich sie innerhalb weniger Minuten verfütterungsfertig zur Hand habe.
Heimchen müssen vor dem Verfüttern unbedingt entbeint werden.
Wie man tiefgekühlte Futtertiere schnell einsatzbereit inklusive Entbeinung zubereitet, beschreibe ich hier.

in der Jagdwanne habe ich für die Bachstelzen lebende Heimchen ausgesetzt......
in der Jagdwanne habe ich für die Bachstelzen lebende Heimchen ausgesetzt……

Wenn ich Zöglinge habe, die nach dem Verlassen des Nestes am Boden Insekten jagen lernen müssen (z.B. Bachstelzen, Rotschwänze etc.),dann belasse ich, wenn es soweit ist, eine Heimchen-Auffütterbox mit lebenden Heimchen bestückt, von denen ich täglich zu jeder Fütterung ein paar in einer mit Sand und Grassoden ausgestatteten “Jagdwanne” (dem Unterbau eines beliebigen Kleintierkäfigs) aussetze.

...damit sie üben konnten, zu jagen.
…damit sie üben konnten, zu jagen.

Hier lernen die Vögel sich dann die lebenden Heimchen selbst zu erlegen.

Wenn Sie einen größeren Bedarf an Heimchen haben, weil Sie vielleicht öfter oder mehrere Zöglinge haben, könnte sich, wenn man Lust und Zeit dazu hat, auch die Zucht von Heimchen lohnen. Dann haben Sie es ganz in der Hand, wie „artgerecht“ die Tiere aufwachsen und wie vielseitig und natürlich ihre Fütterung ist.

Grashüpfer

Grashüpfer werden genau wie Heimchen von nahezu allen Jungvögeln vertragen. Ihr Vorteil ist, dass sie als Freifang aus der Natur eine größere Nährstoffvielfalt liefern, als Heimchen. Außerdem sind sie deutlich größer als Fliegen, so dass ein Grashüpfer locker mehrere Fliegen ersetzen kann. Grashüpfer sind mit Heimchen verwandt. Sie gehören beide zur Ordnung der Heuschrecken. Genau wie Heimchen haben sie kräftige Sprungbeine hinten, die zudem mit Widerhaken bestückt sind und wie ein Katapult losschnellen.
Es ist extrem wichtig, dass Sie absolut immer, wenn Sie einen frisch gefangenen Grashüpfer verfüttern, diesen nicht nur sicher abgetötet haben, sondern auch die langen Sprungbeine entfernt haben.

Grashüpfer dürfen nur abgetötet und mit entfernten Sprungbeinen verfüttert werden
Grashüpfer dürfen nur abgetötet und mit entfernten Sprungbeinen verfüttert werden


Ich fange die Grashüpfer auf der naturnahen Wiese direkt vor dem Haus. Wo Schäden in der Grasnarbe sind oder kurz gegraste Stellen von den Tieren, halten sich die Grashüpfer am liebsten in der prallen Sonne auf. Wenn Gefahr droht, hüpfen sie mit einem riesigen Satz in die höheren Gräser, die die Stelle umgeben, um Schutz zu suchen.

Zum Fangen nutze ich einen langstieligen Kescher, der eine relativ große Öffnung und ein tief reichendes Netz hat. Einige meiner jugendlichen Helfer, die täglich nach der Schulevorbei schauen, um die Vögel mit zu versorgen, bevorzugen es, die Grashüpfer mit der Hand zu fangen. Welche Methode Ihnen mehr liegt, werden Sie schnell heraus finden.

Eines gilt für alle Fangmethoden: auch, wenn es sich bei unseren Futtertieren „nur“ um Insekten handelt, so sind es doch Lebewesen, die genau, wie jedes Lebewesen auf ihre Art Schmerz empfinden und leiden können. Aus diesem Grunde sollten wir sie, wenn wir sie schon ihres Lebens berauben müssen, um unseren Zögling zu versorgen, mit Respekt behandeln und ihnen einen schnellen Tod bescheren. Unmittelbar nach dem Fang greifen wir den Kopf des Grashüpfers und zerquetschen diesen zwischen Daumen und Zeigefinger. Wenn Sie es richtig machen, hören und  spüren Sie ein leises Knacken. Erst danach wandert der Grashüpfer in unser Wasserglas oder, wenn der Grashüpfer als Vorrat in die Gefriertruhe wandern soll, in unser trockenes Glas.
Falls Sie ein Problem damit haben, ihren frisch gefangenen Grashüpfern den Kopf zu zerquetschen, dann können sie sie auch generell lebend in einem trockenen Glas sammeln (aber aufpassen, dass sie ihnen beim Öffnen des Deckels nicht wieder entwischen) und das Glas dann mit den lebenden Tieren ins Gefrierfach stellen. Es wird allgemein angenommen, dass das Einfrieren für die Insekten die „humanste“ Tötungsmethode ist, da sich der Stoffwechsel bei Insekten von Natur aus bei Kälte immer mehr verlangsamt, bis die Tiere schließlich einfach einschlafen und weg dämmern.

Diese Kecher gibt es in verschiedenen Größen im Zoohandel zum EInfangen von Ziervögeln. Da sich der Stiel abziehen lässt....
Diese Kecher gibt es in verschiedenen Größen im Zoohandel zum EInfangen von Ziervögeln. Da sich der Stiel abziehen lässt….

Bevor wir die frischen, bereits toten Grashüpfer aus dem Wasserglas verfüttern, werden sie mit einem Teelöffel aus dem Glas gefischt, auf ein Küchenpapier befördert und dort ihrer langen Sprungbeine entledigt. Erst jetzt sind sie bereit, mit dem Kopf zuerst verfüttert zu werden.
Auch hier: Wie man tiefgekühlte Futtertiere schnell einsatzbereit inklusive Entbeinung zubereitet, beschreibe ich hier.

....eignet er sich hervorragend zum direkten Einfrieren.
….eignet er sich hervorragend zum direkten Einfrieren.

Schuster, Mücken, Gewitterfliegen

Schuster sind regional unterschiedlich auch unter dem Begriff Schnake, Langbein, Schneider oder Bachmücke bekannt. Der wissenschaftliche Begriff lautet „Tipulidae“ – falls Sie zur eindeutigen Identifizierung nach Fotos im Internet suchen sollten. Gewitterfliegen oder auch Gewittertierchen sind Fransenflügler, deren Name sich von ihrem millionenfachen Auftreten besonders vor Gewittern ableitet. Schuster, Mücken und Gewitterfliegen eignen sich alle drei hervorragend zur ergänzenden Fütterung bei den allermeisten Singvogelküken in unseren Breiten. Wie die bereits vorher vorgestellten Futtertiere sind sie leicht zu beschaffen, bieten eine nährstofftechnisch recht ordentliche Abwechselung auf dem Speisezettel unserer Zöglinge und sind sehr gut verdaulich und verträglich. Als Haupt- oder Alleinfutter sind sie allerdings ungeeignet, da sie hierfür zu wenig Nährstoffvielfalt bieten.

Schuster lassen sich mit der Hand oder demselben Kescher, mit dem Sie die Grashüpfer fangen, erbeuten und durch einfaches Zerdrücken des Kopfes oder Erschlagen mit der Klatsche töten. Sie sitzen bevorzugt am späteren Nachmittag eines sonnigen, windstillen Tages im Halbschatten von Wiesenrändern oder im längeren Gras. Auch in dunklen Kellerräumen kommen sie häufig vor, sind aber vermutlich dann deutlich nährstoffärmer, als ihre draußen lebenden Artgenossen. Schuster kann man genau wie die vorgenannten Futtertiere einfrieren oder man verfüttert sie direkt aus dem Wasserglas. Bei extrem jungen Zöglingen, die gerade 1-3 Tage alt sind, sollte man die langen Beine noch entfernen und darauf achten, dass man die langen Körper mit dem Kopf zuerst verfüttert. Wenn die Küken etwas älter sind, ist das nicht mehr notwendig, da Schuster einen so weichen, filigranen Körperbau haben, dass weder Beine noch die falsche Fütterungsrichtung den Zöglingen Probleme bereiten können.

Mücken sind eine wahre Delikatesse für Schwalben, Mauersegler, Meisen und andere empfindliche Insektenfresser. Sie lassen sich gut mit Hilfe eines ganz feinmaschigen Terrarienkeschers abends von der Gartenlampe weg fangen, wenn sie zu Hunderten um das Licht tanzen. Mücken sollten Sie durch Einfrieren töten – es reicht schon, wenn Sie ein paar im Kescher haben, diesen zuzudrehen und für einige Minuten ins Eisfach zu legen. Dann sind die Mücken bereits tot und können problemlos vom Kescher in das eingefrorene Vorratsglas umgefüllt werden.

Gewitterfliegen lassen sich mit einem feinmaschigen Kecher vom Misthaufen fangen
Gewitterfliegen lassen sich mit einem feinmaschigen Kecher vom Misthaufen fangen

Dasselbe gilt für den Fang von Gewitterfliegen. Sie tanzen zu Millionen wolkenartig direkt über Misthaufen von Pferdeställen und Bauernhöfen – bevorzugt über frisch abgeladenem Mist. Mit einem extrem feinmaschigen Aquarienkescher wird einfach ein paar mal durch die „Wolke“ gestrichen und der Inhalt dann schnell in ein idealerweise vorher gefrostetes Marmeladenglas geschüttet. Die Kälte des Glases reicht bereits, um die empfindlichen Tierchen zu  Boden sinken zu lassen, so dass sie nicht gleich wieder abhauen. Das Glas stellen sie dann nachher einfach mitsamt Beute in den Gefrierschrank. Nach dem Abtauen dreht man zwischen den Fingern aus den toten Gewittertierchen kleine Breikugeln, die man mit der Pinzette dann als Zwischenmahlzeit verabreichen kann.

Weitere Futtertiere

Die vorgenannten Futtertiere eignen sich zur Kükenfütterung nahezu jeder Singvogelart unserer Breiten. Wie ich aber bereits zuvor schon schrieb, ist es sinnvoll, so abgestimmt wie irgend möglich und so vielseitig und natürlich wie möglich zu füttern. Solange Ihr Zögling noch sehr, sehr jung ist, also die ersten Tage ist es sinnvoll, als Hauptfutter frisch geklatschte Fliegen ergänzt durch einzelne der anderen oben aufgeführten Futtertiere zu geben. Auch solange Sie nicht absolut sicher wissen, was für eine Vogelart sie da aufziehen, sollten Sie sich auf die oben genannten Futtertiere beschränken.

Für eine ganze Reihe von Vogelarten sind Spinnen eine wertvolle Ergänzung des Speiseplans
Für eine ganze Reihe von Vogelarten sind Spinnen eine wertvolle Ergänzung des Speiseplans

Wenn Sie jedoch ihre Vogelart eindeutig identifizieren konnten, macht es Sinn, über die entsprechenden Vogelsteckbriefe heraus zu finden, was die Eltern diesen Küken so füttern und bei der Fütterung die Auswahl der Futterinsekten anzupassen bzw. zu erweitern.
So können beispielsweise bei einigen Vogelarten die kleinen Springspinnen, die man auf Wiesen im Gundermann findet (z.B. Mehlschwalben, Mauersegler, Bachstelzen und Rotschwänze),
Ameiseneier (z.B. Amseln), irgendwelche bestimmten Käfer, Blattläuse (z.B. Mehlschwalben, Stieglitze) oder Wasserläufer (z.B. Bachstelzen) eine sinnvolle oder sogar lebensnotwendige Ergänzung darstellen.

Wichtig ist bei Ihrer Entscheidung, ob Sie sich sicher sind, dass dieses Futtertier geeignet ist.

Aquarienkecher eignen sich super, um die Futtertiere aus dem Wasser zu filtern
Aquarienkecher eignen sich super, um die Futtertiere aus dem Wasser zu filtern

Wenn es sich um ein grell gefärbtes Insekt handelt oder um eines, dass starke Gifte abgeben kann (z.B. Wespen), würde ich auch dann, wenn die Eltern dieses Insekt evtl. füttern würden, darauf vorsichtshalber verzichten, denn wir wissen nicht, ob und was die Eltern zuvor mit dem Insekt machen, damit es verfütterbar ist.

Ebenfalls verzichten würde ich, solange der Vogel nicht selbst frisst, auf Regenwürmer, auch wenn sie von drosselartigen Vögeln (z.B. Amseln) an die Brut verfüttert werden. Regenwürmer entwickeln etwa zu Beginn des Sommers für eine kurze Weile einen Stoff, welchen sie über die Haut abgeben. Dieser scheint für die Vögel, die normalerweise Würmer fressen, unverträglich zu sein. (Vielleicht machen das die Würmer, um ihre eigene Vermehrung zu sichern, indem sie sich zu diesem Zeitpunkt für Fressfeinde uninteressant machen oder Parasiten sind Ursache der “Geschmacksveränderung”?) Die Vogeleltern können offensichtlich erkennen, ob der Wurm gerade genießbar ist und selektieren.
Ein Phänomen, das ich auch bei meinen Hühnern beobachte: die Glucke wühlt haufenweise Regenwürmer aus dem Mist, wirft  ihren Küken einige hin, die begeistert darüber herfallen und sich um die Würmer prügeln. Dann stößt sie bei einem Wurm plötzlich  einen Warnruf aus, der die Küken entsetzt zurückschrecken lässt – der Wurm wird von keinem angerührt. Ich kann zwischen den „essbaren“ und den „nicht essbaren“ Würmern keinen Unterschied ausmachen. Aus diesem Grunde verzichte ich auf das Verfüttern von Würmern ganz, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.
Ist die Amsel so weit, dass sie selbständig  Nahrung aufnimmt, können Sie ihr eine mit Gartenerde gefüllte Schale hinstellen, in die Sie Würmer reinlegen. Da kann die Amsel dann selbst entscheiden, welchen Wurm sie frisst.

Mehlwürmer sind prinzipiell ungeeignet als Vogelfutter. Sie sind bei der Verwertung sogenannte „Nährstoffzehrer“. Soll heißen, bei der Verdauung eines Mehlwurms werden dem Küken Nährstoffe, die es braucht entzogen bzw. es wird die Aufnahme bestimmter Nährstoffe geblockt. Da ich beobachten konnte, dass Meisen Mehlwürmer durchaus fressen und auch verfüttern – allerdings ausschließlich, nachdem sie in windeseile Kopf und Schwanz des Mehlwurms gekappt und mit einem Ruck den gesamten Darmtrakt des Mehlwurmes herausgerissen und weggeworfen haben- vermute ich, dass die problematischen Stoffe im Darm des Mehlwurms zu finden sind.

Ameisen sind aufgrund des Giftes, welches sie bei Gefahr absondern auch nur geeignet für Ameisen fressende Vögel als Angebot, wenn die Vögel sich das Futter selber nehmen. Manche Vogelarten (viele Körner- und Beerenfresser) fangen bei der Nestlingsfütterung bereits an, auch pflanzliche Nahrung mit zu füttern, kurz bevor das Küken sein Nest verlässt. Meist handelt es sich hier um Früchte und/oder Beeren oder weiche Sämereien. Wenn Sie bei Ihrer Vogelart hierüber zuverlässige Angaben finden, können Sie in kleinen Mengen als Beigabe diese Dinge am Ende der Nestlingszeit schon mit füttern.
Wenn Sie aber auch nur den geringsten Zweifel haben, lassen Sie es lieber und bieten den Vögeln diese Nahrungsmittel nur aus einer Schale zur Selbstbedienung an.

 

z.B. Rabenkrähen brauchen mehr, als "nur" Insekten......
z.B. Rabenkrähen brauchen mehr, als “nur” Insekten, um ohne Rachitis und Gefiederschäden aufzuwachsen……

Bei einigen wenigen Singvogelarten, z.B. Rabenkrähe, Kolkrabe etc. benötigen Sie neben Insekten auch fleischliche Kost. (bitte machen Sie sich bei diesen Vogelarten ganz genau schlau, welche Futterzusammensetzungen und vor allem welches Fleisch in welcher Zubereitung geeignet ist).

....da lohnt es sich, gleich viele Rationen portionsweise einzufrieren.
….da lohnt es sich, gleich viele Rationen portionsweise einzufrieren.

Viele Infos finden Sie zu Rabenvögeln hier. Bei diesen Vogelarten macht es Sinn, sich Futterrationen auf Vorrat einzufrieren, wenn Sie nicht täglich mit viel Aufwand einkaufen und zubereiten wollen.

 

Eingefrorene Futtertiere zubereiten

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Wenn der Vogel fliegen lernt

Wenn der Vogel fliegen lernt, sind wir gefragt
Diese kleine Mehlschwalbe überlegt schon, ob man es nicht mal probieren könnte - sie wird noch am selben Tag ausfliegen
Diese kleine Mehlschwalbe überlegt schon, ob man es nicht mal probieren könnte – sie wird noch am selben Tag ausfliegen

Irgendwann kommt der Tag, an dem Ihr kleiner Zögling Anstalten machen wird, sein Nest zu verlassen. Bei Vogelarten, die vom ersten Tag an mehr oder weniger selbständig sind (z.B. Mehlschwalben) müssen Sie nichts unternehmen oder ändern, sofern Ihr Zögling tagsüber mit seinem Nest draußen aufgezogen wurde. Ihr Zögling wird einfach, wenn es soweit ist, sein Nest verlassen und, wenn er Sie noch braucht, wieder kommen oder aber abfliegen – ausgenommen Sie haben den Zögling erst so kurz, dass der Aufbau einer Bindung noch nicht möglich war oder der Vogel wurde drinnen aufgezogen – dann müssen auch diese Vögel erst  drinnen sicher fliegen lernen.

In diesem Schwalbennest wird gerade aller Mut zusammen genommen für den ersten "Sprung" in die Tiefe....
In diesem Schwalbennest wird gerade aller Mut zusammen genommen für den ersten “Sprung” in die Tiefe….

Wenn Sie jedoch eine Vogelart aufziehen, die nach dem Verlassen des Nestes zunächst flugunfähig als Ästling die Welt entdeckt (z.B. Amsel), von ihren Eltern Flug- und Jagdstunden bekommen, noch zugefüttert werden oder sonst wie weiter versorgt werden (z.B. Rauchschwalben, Meisen, Sperlinge, Bachstelzen), dann müssen Sie auf die ersten Anzeichen achten: Je nach Vogelart wird Ihr Zögling zunächst aus dem Nest klettern und ein wenig zu Fuß rumlaufen oder aber er wird sich auf den Nestrand hängen, einige Startversuche unternehmen und in letzter Sekunde den Mut verlieren, bevor er sich dann wirklich todesmutig  „in die Tiefe“ stürzt und unbeholfen durch den Raum flattert, bevor er dann ebenso unbeholfen irgendwo landet und sich mit einer Mischung aus Unsicherheit, Verwunderung und erstaunter Freude umschaut.

Dieser Tag „X“ kündigt sich ein oder zwei Tage vorher an: Ihr Zögling ist unruhiger im Nest, er schlägt immer wieder mal mit den Flügeln und balanciert zunehmend auf der Nestkante. Wenn Sie diese Anzeichen vermehrt wahrnehmen, sollten Sie das Nest tagsüber nicht mehr nach draußen bringen, sondern in einem geschlossenen Raum, in dem Sie sich auch vermehrt aufhalten, deponieren. Denken Sie daran, das Fenster mit einer Gardine oder einem Gazetuch abzuhängen, damit der erste Flugversuch nicht gleich an einer unsichtbaren Glasscheibe endet. Ab diesem Zeitpunkt sollten Sie ihrem Zögling  häufig Gesellschaft leisten, damit Sie da sind, wenn er seinen ersten großen Schritt in einen neuen Lebensabschnitt tut.

Wenn Ihr kleiner Vogel (ausgenommen Ästlinge, sie werden ihre ersten Flugversuche erst nach einigen Tagen unternehmen und zuvor im Zimmer herumhüpfen) dann seinen ersten Flug geschafft hat und irgendwo unsicher sitzt, ist Ihr Einsatz gefragt: Erstmal geben Sie ihm als Belohnung einen Happen Futter – mit dem ihm bekannten Futterruf. Dann verbringen Sie die nächsten Stunden damit, sich immer ein paar Schritte zu entfernen, ihren Arm oder ihre Hand als Landeplatz hoch zu halten und mit der anderen Hand die Pinzette mit einem Futtertier hinzuhalten und mit dem Futterruf zu locken. Wenn der Kleine schließlich wieder abhebt und zu Ihnen kommen will, wird er vermutlich erst sehr unbeholfen sein und unter Umständen auch woanders landen. Egal, gehen Sie hin und belohnen Sie seinen Versuch mit einem Futtertier.
Das Spiel wiederholt sich nun eine Weile und Sie werden feststellen, dass der Kleine von Mal zu Mal geübter abhebt, fliegt und landet. Es dauert meist nur wenige Stunden, bis Ihr Zögling vollkommen zielgerichtet fliegen und landen kann. In diesen Stunden sollte er gelernt haben, auf ihren Futterruf durch Kommen zu reagieren. Je nach Vogelart kann es sein, dass er ganz zutraulich auf Ihrer Hand oder aber nur in Ihrer Nähe landet. Das ist unerheblich.

die Zwei haben gerade ihre ersten Flugversuche hinter sich und waren erleichtert, als sie es geschafft hatten wieder in bzw. auf ihrem nest zu landen
verdiente Pause! Die Zwei haben gerade ihre ersten Flugversuche hinter sich und waren erleichtert, als sie es geschafft hatten wieder in bzw. auf ihrem Nest zu landen

Unter Umständen braucht er auch irgendwann eine Pause, geht vielleicht sogar zurück in sein Nest, um sich von diesem ersten großen Abenteuer zu erholen. Wichtig ist, dass er auf Sie als Ersatzeltern geprägt ist und weiß, dass er bei ihnen Schutz und Futter findet. An diesem Tag hat er damit mehr als genug gelernt und Sie  sollten es dabei belassen.

Je nachdem, wie sicher der Vogel auf Sie geprägt ist, auch das ist wieder abhängig von der Vogelart, von der Dauer, die Sie den Kleinen in Pflege hatten und von den Aufzuchtbedingungen, können Sie mit dem Kleinen
am nächsten oder übernächsten Tag nach draußen gehen.
Sie können als Fausregel nehmen:
Je “freier” und “natürlicher” (im Sinne von “seiner Art entsprechend”) Sie Ihren kleinen Zögling aufgezogen haben, desto enger und natürlicher wird seine Bindung zu Ihnen ausfallen.

Dies ist einer der gefährlichsten Augenblicke für den kleinen Vogel und einer der schwersten Augenblicke für SIe:
…es ist schwer, loszulassen… …aber man muss “loslassen, um zu halten”….

Wählen Sie darum den Tag mit Bedacht:
es sollte gutes Wetter sein: sonnig, nicht zu windig, gute Jagdbedingungen, viele andere Vögel -idealerweise auch solche derselben Art – am Himmel oder im Gebüsch. Wenn der Kleine zum ersten mal vor die Tür kommt und in die unendliche Weite des Himmels entschwindet, ist er erstmals ungeschützt Räubern (Greifvögel) ausgesetzt und Sie können nicht mitfliegen, um ihn zu beschützen. Mit diesem Risiko müssen Sie leben, wenn Sie ihrem Zögling die Chance auf einen guten Start nicht kaputt machen wollen.  Damit der Kleine bei Bedarf immer wieder zu Ihnen zurück findet, sollten Sie ihn ab sofort niemals mehr irgendwo hin tragen (außer von draußen nach drinnen). Wenn er mit raus soll, gehen Sie vorweg und locken ihn mit dem ihm vertrauten Ruf, bis er folgt. Nur, wo er sich traut, Ihnen selbständig zu folgen, wird er sich auch zurück trauen. Außerdem wird die Überwindung, Ihnen auf unbekanntes Terrain zu folgen, das Vertrauen des Vogels in Ihre Führung festigen.

wenn Ihr Zögling vom ersten AUsflug zurück kommt, sollte bereits sein Leckerbissen bereit stehen
wenn Ihr Zögling vom ersten Ausflug zurück kommt, sollte bereits sein Leckerbissen bereit stehen

Sowie Sie draußen sind, auch wenn Ihr Zögling kurzfristig völlig aus Ihrer Sicht verschwunden ist, sollten Sie ununterbrochen laut und deutlich Ihren Lockruf ausstoßen, damit der Kleine wo immer er ist, sich daran orientieren kann und zurück findet, wenn er es will.  In der Regel führt das dazu, dass man am ersten Flugtag abends einen Krampf im Mund hat und die Nachbarn sich fragen, ob Sie irgendetwas Komisches eingeworfen haben. Der erste Flug  ihres Zöglings draußen wird bei einigen Vogelarten relativ kurz ausfallen (oft z.B. Rauchschwalben), bei anderen länger dauern (oft z.B. Bachstelzen) und einige kommen gar nicht mehr zurück, wenn sie genug Futter finden.

Wenn Ihr Zögling  zurück kommt, sollten Sie bereits seine Belohnung bereit halten und ihn satt füttern. Vorteilhaft ist es, wenn Sie bereits einige Tage zuvor einen festen Sitzplatz draußen eingerichtet haben, der künftig der Stammplatz ihres Zöglings sein kann. Bei mir z.B. befinden sich unter dem Carportdach, wo auch die Sitzecke steht und wir uns viel aufhalten, mehrere Sitzplätze, die so angebracht sind, dass Katzen und Hunde sie nicht erreichen können, Greifvögel sich da nicht hin trauen und Fluchtmöglichkeiten in mehrere  Richtungen für meinen Zögling vorhanden sind.

Sunny s Stammplatz war die Spitze einer Longierpeitsche in der Sitzecke
Sunny s Stammplatz war die Spitze einer Longierpeitsche in der Sitzecke

Künftig gibt es das Futter tagsüber nur noch auf diesem Stammplatz oder direkt auf meinem Arm.
Sie sollten sich die nächsten Tage möglichst ständig an oder in der Nähe dieses Platzes aufhalten, bis Sie das Gefühl haben, dass Ihr Zögling sich draußen sicher genug fühlt, um Sie nicht mehr ständig zu brauchen. Je nach Vogelart muss der kleine Knirps jetzt die nächsten Tage einiges lernen und je nach Vogelart und Charakter wird er noch länger bei Ihnen bleiben, immer noch wieder drinnen übernachten und sich nur langsam abnabeln, oder bereits nach wenigen Tagen Anschluss an andere Artgenossen gefunden haben und weg bleiben.
Haben Sie einen Zögling, der von seinen Eltern noch einiges vermittelt bekommen würde, sind Sie jetzt gefragt.

Egal, wie niedlich das sein mag - hier sollten SIe ihren Zögling nachdrücklich verjagen
Egal, wie niedlich das sein mag – hier sollten Sie Ihren Zögling nachdrücklich verjagen – abeer bitte so, dass Sie den Hund nicht “heiß” machen

Zunächst einmal sollten Sie, auch wenn einem das unendlich schwer fällt, den Vogel nachdrücklich und unsanft wegscheuchen – evtl. mit einem speziellen Warnlaut, den Sie sich ausdenken – wenn immer er an nicht artgerechten, gefährlichen Stellen landet (z.B. auf dem Korb, in dem der Hund schläft o.ä.) Sie werden bei Ihren Recherchen in den Vogelsteckbriefen  heraus gefunden haben, was der Vogel alles lernen muss und müssen eventuell kreativ werden, um ihrem Vogel diese Dinge auch vermitteln zu können:

Erste Jagdübungen im Flug
Erste Jagdübungen im Flug

Meinen Rauchschwalben z.B. bringe ich erste Jagdversuche bei, indem ich sie das Futtertier im Flug von der Pinzette holen lasse, was anfangs gar nicht so einfach ist.

Mit der Amsel, die überwiegend am Boden jagt, bin ich über das Grundstück gegangen und habe immer wieder Blätter und Steine umgedreht und ihr gezeigt, dass sie dort drunter Futter findet. Als sie ihr erstes Blatt selbst umgedreht hat und darunter einen fetten Käfer fand, hat sie vor lauter Begeisterung so sehr gejubelt, dass der Käfer in der Zwischenzeit das Weite gesucht hatte.

Marco war das Wasser des Tümpels anfangs äußerst suspekt....
Marco war das Wasser des Tümpels anfangs äußerst suspekt….

Die Bachstelze hat gelernt, dass Bachstelzen auch Tiere aus dem Wasser fischen können, indem ich aufgetaute Heimchen zunächst an die Tümpelkante und dann immer ein Stück weiter ins Wasser gelegt habe. Parallel zu ihren Jagdübungen mit lebenden Heimchen in der Jagdwanne, hat sie schließlich gelernt, dass man Wasserläufer und kleine Käfer unter der Wasseroberfläche vom Grund sammeln kann.

lebend Fliegen in einem Flexarium
lebend Fliegen in einem Flexarium

Wenn Sie keine Möglichkeit haben, die Jagd mit Ihrem Zögling draußen zu üben (z.B. weil die Bindung nicht vorhanden ist), können Sie in einem  Flexarium z.B. lebende Fliegen aussetzen und Ihren Zögling darin die ersten Übungen machen lassen, ohne, dass Ihnen die Fliegen alle durch die Wohnung surren.

lebende Fliegen zum Aussetzen kann man mt einem tiefen Kecher super fangen
lebende Fliegen zum Aussetzen kann man mit einem tiefen Kecher super fangen

Ob Ihr Zögling nachts wieder mit rein will, wird er selbst entscheiden. Die Rauchschwalben beispielsweise, die ich von klein auf an gross gezogen habe,  ließen sich lange abends auf der Hand rein tragen, um drinnen zu übernachten – selbst wenn sie tagsüber oft stundenlang weg waren. Die Bachstelze flog zuverlässig hinter mir her nach drinnen bis sie heraus gefunden hatte, dass Sie auch ohne mich genügend Nahrung findet und draußen überleben kann. Mit der Rückkehr Ihres Zöglings müssen Sie abends rechnen, bis die Sonne komplett untergegangen ist und solange draußen noch Vögel unterwegs und zu hören sind. Wenn es draußen dunkel geworden ist und keine tagaktiven Tiere mehr zu hören sind, können Sie auch ihre Tür oder ihr Fenster schließen. Ihr Zögling wird die Nacht draußen verbringen und frühestens am nächsten Morgen wieder auftauchen.

Wenn Ihr Zögling noch drinnen übernachten will, kommt er nach Hause, bevor es dunkel ist. Hier sitzt Findi in der Küche auf ihrem Schlafplatz unter Sunny s Bild.
Wenn Ihr Zögling noch drinnen übernachten will, kommt er nach Hause, bevor es dunkel ist. Hier sitzt Findi in der Küche auf ihrem Schlafplatz unter Sunny s Bild.

Die kleinen Zöglinge wissen ganz genau, wie lange sie einen brauchen und werden entsprechend bleiben, solange sie nicht selbständig sind. Ein Grund mehr, warum eine Käfighaltung vollkommen überflüssig ist. Eine meiner Handaufzucht – Schwalben aus 2011  ist jetzt zum 5. Mal aus Afrika zurück gekehrt, um bei mir auf der Diele, diesmal zusammen mit einer anderen Handaufzucht aus 2013, zu brüten. Die Amsel Fritzie, die schon zwei erfolgreiche Bruten hinter sich gebracht hat oder Spatzi der Spatz leben ganzjährig hier und lassen sich immer wieder mal an der Sitzecke oder an ihren alten Stammplätzen sehen. Auch die Bachstelze Marco, von der wir nicht einmal wussten, ob sie mit ihren Behinderungen überhaupt in der Lage sein würde, in Freiheit zu überleben, ist dieses Jahr zurück gekehrt und hat zwei Bruten erfolgreich aufgezogen.

Marco habe ich letztes Jahr aufgezogen - hier füttert er dieses Jahr seinen ersten Nachwuchs
Marco habe ich letztes Jahr aufgezogen – hier füttert er dieses Jahr seinen ersten Nachwuchs

Diese Momente des Wiedersehens, die Gewissheit, dass die ganze Mühe erfolgreich war, sind die schönste Bestätigung für mich, dass diese Form der individuellen Naturaufzucht richtig ist.

 

 

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