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Suche nach einer Pflegestelle

Wie finde ich eine geeignete Pflegestelle?

Wenn Sie ihren Zögling nicht „einfach nur loswerden wollen“, sondern auch möchten, dass er eine wirkliche Chance bekommt, es trotz des Verlustes der Eltern oder trotz seiner Verletzung zu schaffen, dann werden Sie sich mit der Suche nach der geeigneten Pflegestelle etwas Mühe geben müssen. Auf den ersten Blick scheint es nicht schwierig zu sein, so ein kleines, in Not geratenes Wildtier in kompetente Hände los zu werden:
In jeder größeren Stadt findet man Tierheime, Wildvogelstationen,
Wildtierhilfen und vieles mehr. Die Namen der Einrichtungen verheißen Gutes: Tierheim Kleinkleckersdorf e.V., Wildvogelstation Hansestadt Bergfeld e.V., Wildtierhilfe weiße Feder gGmBH und so weiter und so weiter. Viele von ihnen verfügen über aufwändige Internetauftritte und was man dort an Informationen vorfindet, lässt nicht daran zweifeln, dass man es mit einer wirklich kompetenten Stelle zu tun hat. Insbesondere, wenn in den Referenzen oder unter „unsere Partner“ oder „unsere Förderer“  auch noch zahllose, namhafte Tier- und Umweltschutzorganisationen aufgeführt sind oder gar der Name der eigenen Stadt als Förderer zu finden ist.

Ich kann Ihnen nur sagen, der Schein trügt nur all zu häufig.
e.V., das Kürzel, was dem Ganzen immer so einen gewissen Anstrich von Seriosität verleiht, heißt nichts anderes als „eingetragener Verein“ und einen eingetragenen Verein kann jeder von uns ohne Probleme gründen, wenn er einige Regeln einhält. Gemeinnützige Vereine, deren Zweck in der Satzung festlegt, Tieren zu helfen, brauchen darüber hinaus eine Genehmigung des Veterinäramtes und ggf. des Ordnungsamtes zum Betrieb einer solchen Einrichtung. Um diese Genehmigung zu erhalten, muss man das Vorhandensein geeigneter Käfige, Volieren, Ställe und / oder Gatter in den jeweiligen für die zu beherbergende Tierart festgelegten Mindestmaßen vorhalten und einen Sachkundenachweis erbringen (oder einen verantwortlichen Mitarbeiter (Betriebsleiter) vorweisen, der über so einen Sachkundenachweis verfügt). Ansonsten ist der Sachkundenachweis allerdings, sofern man nicht sowieso eine abgeschlossene Berufsausbildung als Tierpfleger, Tierarzt oder ähnliches nachweisen kann, mit Hilfe einiger Seminare, die das erforderliche Wissen vermitteln, schnell abzulegen.

Die Aussage, dass der Betreiber ausgebildeter Tierarzt, Wildtierpfleger, Zootierpfleger, Jäger, Falkner oder sonst was ist, sagt im übrigen absolut gar nichts über die Tierliebe des Betreibers oder seine Beweggründe für das Betreiben der Station, also über die Qualität der Station oder des Heims aus.

Erst seit einigen Jahren gibt es für gemeinnützige Vereine (e.V.) auch die Möglichkeit, die neue Gesellschaftsform der gGmbH (gemeinnützige GmbH) zu wählen. Hier handelt es sich um ein Zwischending zwischen e.V. und GmbH. Es vereint die Vorteile eines gemeinnützigen Vereins (Steuervorteile,  Ausstellen von Spendenbescheinigungen etc.) mit den Vorteilen einer GmbH (dem Recht, wirtschaftlich tätig zu werden, die Führung statt durch ehrenamtlich tätige Personen durch hauptamtliche, aus den Einnahmen (Spenden) bezahlte Geschäftsführer zu ersetzen etc.).
Die Möglichkeit, diese Gesellschaftsform für eine gemeinnützige Organisation zu wählen, ist überall dort ein Segen, wo zuvor ehrenamtlich tätige Menschen wirklich mit Herz und Seele für den gemeinnützigen Zweck tätig waren und sich diese Tätigkeit zu einem „Vollzeitjob“ ausgeweitet hat, denn auch diese engagierten Menschen müssen ja von irgendetwas leben.
Aber diese Gesellschaftsform erleichtert es auch Menschen, die die Gemeinnützigkeit in erster Linie zur Verfolgung persönlicher Interessen anstreben, mit etwas Geschick und guter juristischer Beratung, umfangreiche Spendengelder für das eigene Wohl über die berechtigte Leistungsentlohnung hinaus dem eigentlichen Zweck zu entfremden, ohne, dass es unrechtmäßig würde.

Was die genannten Förderer und Unterstützer anbelangt, die auf den Webpages erwähnt werden, so haben viele dieser namhaften Verbände die Station oder das Heim, was sie mit ihrem Namen auszeichnen noch kein einziges Mal wirklich kennen gelernt. Städte und Gemeinden haben wenig Interesse daran, solch existente Lokalitäten tiefer zu durchleuchten und zu überprüfen. Immerhin wäre, gäbe es diese Heime und Stationen nicht, das Ordnungsamt für Fundtiere direkt zuständig. Und stellen Sie sich doch mal die Begeisterung eines Sachbearbeiters im Rathaus vor, wenn ihm im Stundentakt Hunde, Katzen, aus dem Nest gefallene Wildvögel und am Straßenrand gefundene Igel vorbei gebracht würden.
Die Gemeinde müsste auf eigene Rechnung eine Auffangstation betreiben, was wiederum die  immer klammen Kassen der Stadt extrem hoch belasten würde. Da ist so eine durch Spendengelder finanzierte Station, die man nur noch mit vergleichsweise kleinen Beträgen unterstützt, sehr willkommen.

Eine gute Nachricht vorweg:  es gibt sie noch, die Menschen, die aus echter Tierliebe und mit viel Engagement und Herzblut so eine Einrichtung betreiben.
Die schlechte Nachricht: Diese engagierten Betreiber, bei denen das individuelle Tier wirklich noch im Vordergrund steht, muss man oft mit der Lupe suchen.
Einige dieser Tierheime und Auffangstationen sind längst dem schnöden Mammon zum Opfer gefallen. Die Tiere sind Mittel zum Zweck: ihre Anwesenheit sichert Arbeitsplätze und Lebensstandards. Je mehr Bekanntheitsgrad ein Heim oder eine Station hat, je häufiger sie mit herzerweichenden Fotos und tragischen Geschichten armer Tiere  in der lokalen Presse auftauchen, je größer man die Not öffentlich deutlich machen kann
(Stichworte: wir brauchen mehr Platz, mehr Futter, mehr Mitarbeiter), desto mehr fließen die Spendengelder mitleidiger Tierfreunde, was wiederum die eigene Existenz sichert.
Je größer eine Station gerade für Wildtiere ist, desto seltener können Sie davon ausgehen, dass das einzelne Tier individuelle oder gar intensive Pflege erfährt. Das wäre auch schon von der Anzahl der dort täglich  in der Brutsaison aufgenommenen Tiere her organisatorisch kaum zu machen.

wenn der Vogel nicht individuell pflegebedürftig ist, ist er in einer Gruppe mit Artgenossen am besten aufgehoben
die Gemeinschaft mit gleichaltrigen Artgenossen ist für Vögel, die nicht zusätzlich pflegebdürftig sind,  optimal

Für manche Wildtiere und wenn diese gesund sind, also keiner besonderen Pflege bedürfen, kann das sogar von großem Vorteil sein. Habe ich beispielsweise ein gesundes Vogelküken, das normal bettelt, sich füttern lässt und auch sonst keine Krankheiten oder Beschwerden aufweist, dann kommt ihm die Gemeinschaft mit gleichaltrigen Artgenossen, das gemeinsame Aufwachsen und der spielerische Konkurrenzkampf im Nest um den nächsten Futterhappen nur zu Gute. Vorausgesetzt natürlich, dass die Station die Vögel ihrer individuellen Vogelart entsprechend hält, sie nicht für Werbung missbraucht – und vor allem artgerecht füttertund das findet vielerorts leider überhaupt nicht statt. Oft wird jede Vogelart pauschal mit Mehlwürmern, Heimchen, Buffalos, Maden und künstlichen Mineralzusätzen gefüttert.
Gerade Mehlwürmer sind für überhaupt kein Vogelküken geeignet und können im Extremfall sogar zu schweren Entwicklungsstörungen führen.

besonders verletzte Vögel benötigen häufig eine aufwändige, individuelle Pflege
besonders verletzte Vögel benötigen häufig eine aufwändige, individuelle Pflege

Ist Ihr Pflegling zusätzlich geschwächt oder gar verletzt, lässt sich nicht freiwillig füttern oder erfordert irgendwie speziellen Pflegeaufwand, dann sollten Sie noch genauer hinschauen.
Gerade in großen Auffangstationen und solchen, die alle Wild- und manchmal zusätzlich Nutztierarten pauschal aufnehmen, gibt es oft weder das fachlich für jede Tierart kompetente Personal noch die Zeit, einem kleinen Pflegling so individuelle Pflege zukommen zu lassen.
In manchen Stationen soll, wenn ich dem, was ich gehört und gelesen habe Glauben schenke, es durchaus üblich sein, verletzte Singvögel an ebenfalls dort untergebrachte Greifvögel zu verfüttern.

Für "Allerweltsvögel" gibt es nicht überall intensive Pflege
Für „Allerweltsvögel“ gibt es nicht überall intensive Pflege

In einigen Stationen wird klar unterschieden, ob es sich um sogenannte „wertvolle“ (weil seltene) und damit schützenswerte Vogelarten handelt oder ob es sich um einen „Allerweltsvogel“ handelt, bevor man entscheidet, in welchem Umfang man sich um Hilfe und Pflege bemüht.

Ehrliche Stationen sagen einem das gleich zu Anfang, so dass Sie selbst entscheiden können, ob Sie das Tier wieder mitnehmen wollen oder aber einverstanden sind, wenn es getötet wird. Einige Stationen allerdings verschweigen einem dieses Procedere. Sie nehmen das Tier an, spielen dem tierlieben Finder besorgtes Bemühen vor und sowie man die Räumlichkeiten verlassen hat, wird der Pflegling sich selbst überlassen bis er entweder sowieso verendet ist oder bis jemand Zeit hat, ihn sachgerecht töten zu lassen. Wenn Sie dann einige Tage später anrufen, um zu erfahren, wie es ihrem Findling geht, hat er es leider trotz größter Anstrengungen nicht geschafft.

Noch schlimmer ergeht es in solchen Stationen Findlingen, die nicht nur schwer verletzt sind, sondern auch noch das Pech haben, nicht „alltäglich“ zu sein oder einen besonders herzzerreißenden Aufmacher in der Zeitung für neue PR abgeben. Wenn diese Tiere schwer verletzt in der Station abgegeben werden, als Wildtiere sowohl voller panischer Angst vor den Menschen sind als auch unter heftigen Schmerzen aufgrund ihrer Verletzungen leiden, dann darf sich jeder selber die Frage beantworten, wie viel Sorge ums Tier in der Station im Vordergrund steht, wenn so verfahren wird:

Wenige Tage nach der Abgabe des Tieres prangt ein wunderschönes, halbseitiges, draußen  mit Blitzlicht geschossenes Farbfoto im Tagesblatt, auf dem dieses arme Tier, das unter den Arm eines Pflegers geklemmt oder mit den Fingern an den Füßen auf seiner Hand fixiert ist und mit halb geschlossenen Augen „ergeben“  in die Kamera schaut. Ein toller Pressetext, der die Leistungen der Einrichtung bei der „Hilfe“ für das arme Tier mit einem herzerweichenden Text in den Fokus rückt, sorgt dafür, dass sie ihre Finanziers nicht verliert und der Spendenstrom nie abreißt. Einige Tage später ist dasselbe Tier auf Nachfrage leider aufgrund seiner schweren Verletzungen eingeschläfert worden.

Vielleicht mache ich ja einen Denkfehler: aber wenn ein Tier so schwer verletzt ist, dass sein Leben auf Messers Schneide steht, dann dürfte eine Fotosession – sei sie auch noch so kurz – bei dem das Wildtier dafür extra festgehalten/fixiert  und der Helligkeit sowie der Nähe des Menschen ausgesetzt werden muss, für das betreffende Tier purer Stress und große Schmerzen bedeuten. Wenn die Verletzungen nicht so dramatisch waren, dass man auf diesen Fototermin besser hätte verzichten sollen, dann ist es rätselhaft, warum dieses Tier plötzlich eingeschläfert werden musste… … nach dem Fototermin – versteht sich. Dass diese Geschichte weit davon entfernt ist, ein Einzelfall zu sein, musste ich im Laufe der Jahre leider ungläubig zur Kenntnis nehmen.

Bei kleinen privaten Pflegestellen, haben Sie das Problem mangelnder Individualität bei der Pflege Ihres Findlings eher selten. Hier lauern allerdings andere Gefahren:

Spatzen brauchen frische Gräser und Kräuter mit Blüten und Samenständen
Junge Spatzen brauchen neben Insekten auch schon frische Gräser und Kräuter mit Blüten und Samenständen

Neben der Tatsache, dass auch hier sogar noch häufiger aus Unwissenheit eine ungeeignete Unterbringung  stattfindet, die Gefiederschäden nach sich ziehen kann, welche die spätere Flugfähigkeit und die Wetterfestigkeit des Federkleides beeinträchtigen, und/oder oft fehlerhaft ernährt wird, kommt es in privaten Pflegestellen häufig vor, dass die Tiere nicht als das behandelt werden, was sie sind: Wildtiere!
Sie kommen in zu engen Kontakt mit Haustieren und werden oft durch gut gemeinte, aber für das spätere Leben folgenschwere „Überversorgung an Liebe“ fehlgeprägt. Das übermäßige Bestreben des Pflegers, den kleinen Vogel vor absolut jeder Gefahr, die die Umwelt bereit halten könnte, von vornherein zu bewahren, erlaubt es dem Vogel nicht, zu lernen, was er später in Freiheit braucht: Jagen, Futtersuche, Gefahren erkennen und Gefahren ausweichen.  In vielen Fällen – gerade, wenn es sich um ein Einzeltier bei der Pflege handelt – lernen die Vögel die Sprache und das Verhalten ihrer eigenen Art nicht. Dann hat man plötzlich eine Schwalbe, die zwitschert, wie ein Kanarievogel oder eine Krähe, die lieber auf einem menschlichen Kopf landet als mit ihren Artgenossen herumzuziehen. Diese Vögel haben später kaum eine reelle Chance, in Freiheit zu überleben.

Nun fragen Sie sich nach dem zuvor gelesenen sicherlich, wie es Ihnen überhaupt möglich sein soll, eine geeignete Pflegestelle zu finden?
Das gestaltet sich mit etwas Recherche einfacher, als erwartet. Eine Vorauswahl der gemeinnützigen Heime und Stationen sowie privaten Pflegestellen können Sie bereits bequem am Telefon treffen. Dafür brauchen Sie nur eines: ein paar Kenntnisse über die Grundbedürfnisse ihres kleinen Findlings….

….nebenbei: haben Sie auf die Uhr geschaut? Braucht Ihr kleiner Knirps schon wieder Futter?

Wenn Sie im Internet „Handaufzucht von Wildvögeln“ eingeben, werden Sie eine Vielzahl von unterschiedlichsten, oft auch sich widersprechenden Ratschlägen und Aufzuchtberichten finden. Mir ging es damals so, als ich meine ersten Schwalbenküken fand und ihnen helfen wollte. Die Berichte waren so verwirrend und teilweise auch nicht nachvollziehbar, die Zeit lief mir davon, denn die kleinen Vögel brauchten Versorgung und ich war irgendwann noch verwirrter, als vor meinen Recherchen.

Schließlich entschloss ich mich, all diese klugen Ratschläge in den Wind zu schlagen und meinen gesunden Menschenverstand einzuschalten:
Ich fragte mich, wie Schwalbeneltern ihre Jungen aufziehen. Womit

füttern sie, wie pflegen sie die Küken, wie bereiten sie sie auf das
selbständige Leben in Freiheit vor?

Schwalben brauchen Fluginsekten, um gesund gross zu werden
Schwalben brauchen Fluginsekten, um gesund gross zu werden

Um diese Frage zu beantworten, suchte ich nicht mehr nach Berichten von Handaufzuchten, sondern nach Vogelsteckbriefen auf ornithologischen Seiten – und wurde fündig. Wichtig ist, dass man sich auf Steckbriefe stützt, wo die Kükenaufzucht explizit behandelt wird. Viele Vogelküken bekommen andere Nahrung, als ihre Eltern später zu sich nehmen. So füttern z.B. auch spätere Gemischtfresser und Vegetarier ihre jungen Küken zunächst in den allermeisten Fällen mit bestimmten Insekten.
Versuchen Sie, herauszufinden, was für ein Vogel  Ihr Findling ist.
Wenn Sie wissen, was für einen Vogel Sie aufgesammelt haben, oder wenn sie eine Vermutung haben, dann lesen Sie ein paar Vogelsteckbriefe zu dieser Art. Finden Sie heraus, was diese Vögel ihren Küken füttern, wie ihre Nistplätze aussehen, wie ihre natürlichen Verhaltensweisen und ihr soziales Miteinander ausschauen.

Bachstelzen müssen lernen, lebende Tiere am Boden......
Bachstelzen müssen lernen, lebende Tiere am Boden……

Wie machen die Eltern ihre Küken mit dem freien Leben vertraut, müssen sie die Futtersuche erst lernen oder können sie es instinktiv beim Verlassen ihres Nestes? Je mehr Sie über den Vogel in Erfahrung bringen, desto gezielter können Sie bei ihrer Suche nach einer geeigneten Pflegestelle nachfragen und beurteilen, ob die Antworten angehen können.

....und aus dem Wasser zu erjagen.
….und aus dem Wasser zu erjagen.

Wenn Sie sich mit der Vogelart vertraut gemacht haben, rufen Sie die in Frage kommenden Pflege- und Auffangstationen in Ihrer Umgebung an. Auf dieser Seite finden Sie z.B. eine gut sortierte bundesweite Liste mit gemeinnützigen und privaten Auffang- und Pflegestationen, deren Qualität Sie aber jeweils selbst vor Ort genau abschätzen sollten.
Sagen Sie einfach nur, dass sie z.B. ein Blaumeisenküken gefunden

haben und fragen, was Sie machen können. Eine Station oder Pflegestelle, bei der das individuelle Tier tatsächlich im Vordergrund steht, wird Ihnen zunächst Fragen stellen, die darauf abzielen, heraus zu finden, ob die Auffindesituation eventuell eine Rückgabe des Vogels an die Eltern ermöglicht.
Wenn nein, wird man Sie fragen, ob Sie den Vogel selbst aufziehen möchten oder ob Sie ihn vorbei bringen wollen. Im ersten Fall wird man bemüht sein, ihnen hilfreiche Ratschläge zu geben und Ihnen anbieten, telefonisch mit Rat zur Seite zu stehen, falls Sie Schwierigkeiten bekommen.
Im zweiten Fall wird man Ihnen vermutlich erklären, wohin Sie den Vogel bringen sollen. Fragen Sie in diesem Fall, was man mit dem Vogel in der Station machen würde.

Fragen Sie nach, womit Ihr Findling gefüttert werden wird.
Fragen Sie nach, womit Ihr Findling gefüttert werden wird.

Wie er untergebracht wird, womit er gefüttert werden wird und wie die Auswilderung aussehen wird. Mit ihren zuvor angelesenen Kenntnissen können Sie bereits beurteilen, ob das, was man ihnen erzählt, überhaupt sinnvoll für ihren kleinen Pflegling sein kann. Im Zweifelsfall vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl! Eine gute Pflegestelle wird auch nichts dagegen haben, wenn Sie sich später gelegentlich nach dem Befinden ihres Findlings erkundigen möchten oder ihn gar besuchen. Auch ob das möglich ist, können Sie vorher abfragen.
Und lassen Sie sich bloß nicht mit der Ausrede abspeisen „wir haben keine Zeit für Telefonberatungen – wir haben viele Tiere zu versorgen“. Eine Station, die so redet, nutzt das entweder als faule Ausrede, die Station ist überfüllt bzw. überfordert oder man ist dort so naiv und kurzsichtig, dass ich mich fragen würde, ob mein Schützling da richtig ist.

©P.Lux Das Nest dieser Schwalben brach an einem Sonntag von einem 9 Meter hohen, unerreichbaren Giebel. Ausführliche Telefonberatung und sofortiger, sehr kreativer EInsatz des Finders gab dieser Familie ein neues zu Hause. Alle Küken haben es geschafft und die Familie ist im Herbst gemeinsam nach Süden aufgebrochen.
©P.Lux
Das Nest dieser Schwalben brach an einem Sonntag von einem 9 Meter hohen, unerreichbaren Giebel. Ausführliche Telefonberatung und sofortiger, sehr kreativer EInsatz des Finders gab dieser Familie ein neues zu Hause. Alle Küken haben es geschafft und die kleine Familie ist im Herbst gemeinsam nach Süden aufgebrochen.

Ein Beratungsgespräch dauert, wenn es hoch kommt eine Stunde. In diesem Gespräch gibt es eine über 75% ige Chance, dass man aufgrund einer korrekten und umfangreichen Beratung den Vogel eventuell noch an die Eltern zurück geben kann oder dass der Anrufer mit der entsprechenden Hilfe bereit ist, sich selbst um das Tier zu kümmern. Jeder Wildvogel, den ich zur Aufzucht gebracht bekomme, kostet mich im Schnitt 1 Monat lang täglich Zeit. Das sind selbst, wenn es nur eine Stunde täglich wäre, locker 30 Stunden. Gerade, wenn ich in Zeitnot bin und wenn es mir wirklich primär darum geht, so vielen Tieren wie möglich optimal zu helfen, sollte es mir also diese telefonische Beratung wert sein, ggf. einen Pflegling weniger gebracht zu bekommen und gleichzeitig einem weiteren Vogel eine bessere Chance verschafft zu haben.

Wenn Sie sich schließlich für eine potentielle Pflegestelle entschieden haben, füttern Sie ihren Zögling noch mal ordentlich und befördern ihn dann mitsamt seinem Nest (z.B. der Müslischale) in einen kleinen, mit einem Handtuch gut ausgepolsterten und mit Luftlöchern versehenen Karton (so dass das Nest rutschfest und sicher steht), verschließen diesen und befördern den Karton ins Auto. Wenn Sie sich sicher sind, dass die Station passt, können Sie den Karton mit ihrem Zögling am Zielort gleich mit aus dem Auto nehmen. Wenn Sie im Verlauf des Telefonates noch unschlüssig waren, lassen Sie ihren Findling zunächst im Auto und gehen ohne Vogel in die Station (sofern Ihr Auto im Schatten parkt und nicht überhitzen kann). Dort schauen Sie sich erst einmal an, wie und wo der Vogel untergebracht würde.

Dabei sollte Ihr Augenmerk weniger auf blumige Erklärungen des
Personals und die sympathische Ausstrahlung der jungen Frau oder
des jungen Mannes gerichtet sein, sondern besonders auf bereits
vorhandene Tiere fallen:

  • Machen sie einen ordentlichen, lebendigen Eindruck?
  • Wirken sie entspannt oder gestresst?
  • Sind die Volieren, Nester, Aufenthaltsorte der Tiere gepflegt?
  • Machen die Futtergeschirre, Futterlagerplätze und Co einen ordentlichen, organisierten Eindruck oder herrscht überall Chaos?
  • Sind alle Tierarten irgendwie auf die gleiche Art und Weise
    untergebracht oder scheint man auf die individuellen Bedürfnisse und Probleme der einzelnen Tiere Rücksicht zu nehmen?
Artspezifische Bedürfnisse sollten......
Artspezifische Bedürfnisse sollten……

Wenn Sie offenen Auges durch so eine Station gehen und nicht auf wortreiche Erklärungen der Pfleger hören, sondern mehr auf die lautlosen Aussagen der anwesenden Tiere achten, dann wissen Sie schnell, ob dieser Ort der passende Ort für Ihren Findling ist. Dass Ihnen nicht unbedingt jedes Tier gezeigt werden kann, ist im Interesse der betreffenden Tiere, die unter Umständen Ruhe, Dunkelheit oder sonst eine Abschirmung benötigen, verständlich.

...bei der Unterbringung berücksichtigt worden sein
…bei der Unterbringung berücksichtigt worden sein

Eine Station allerdings, die jegliche Einblicke verwehrt, könnte eventuell genau so etwas zu verbergen haben, wie die Station, die ohne Rücksicht auf das Befinden des individuellen Tieres absolut alles zeigt und jedes Wildtier zum Streicheltier macht.

Wenn die Station schließlich einen guten Eindruck auf Sie macht und Sie sich entschließen, ihren Zögling dort in Obhut zu geben, tun Sie ihrem kleinen Vogel sicher einen großen Gefallen, wenn Sie ab und an nach ihm schauen und seinen weiteren Werdegang ein wenig begleiten. So manche Wildtierstation und Pflegestelle freut sich durchaus auch darüber, wenn Sie anbieten, so, wie Sie Zeit haben, vorbei zu kommen, um bei der Versorgung der kleinen Zöglinge zu helfen.

Wildtierhilfe kostet immer Geld – egal, ob man eine Station, eine private Pflegestelle oder eine Beratung betreibt. Wenn Sie es sich leisten können und wollen, wird man sich sicher über eine finanzielle Unterstützung freuen. Ich rate aber dringend dazu, diese Spende nicht sofort bei der Abgabe des Tieres zu leisten. Entscheiden Sie sich später, bei einem Ihrer Besuche oder nach der Auswilderung, ob die Arbeit dieser Station es ihnen wert ist und war, sie zu unterstützen.

Erste Schritte – selbst päppeln