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Weihnachten im Tierheim 2019

Wildvogelrettung, Tierversuche und Pelz

Letzten Sonntag, am 4. Advent fand wie jedes Jahr im Tierheim Elmshorn wieder der Tag der offenen Tür mit “Weihnachten im Tierheim” statt.

Und wie bereits in den Vorjahren, durfte ich auch dieses Jahr wieder die Gelegenheit nutzen, um über meine private Wildvogel-Rettung und über “Erste Hilfe für Singvögel” zu informieren.

Doch dieses Jahr war etwas anders:
die furchtbaren Zustände im LPT – Tierversuchslabor in Hamburg, die in den letzten Monaten aufgedeckt wurden, haben uns alle schrecklich erschüttert.
Viele Informationen rund um diese schrecklichen Versuche, ihren Sinn und ihren Unsinn, die weite Verbreitung dieser Einrichtungen und das tierische Elend, was dahinter steht, machen genau so sprachlos, wie die Tatsache, dass wir kaum darüber informiert sind, welche Ausmaße diese Gräueltaten ganz legal überall in unserem Land angenommen haben.

Das Tierheim sah in seiner Veranstaltung eine Möglichkeit, die Menschen dort auf die Thematik aufmerksam zu machen.
Doch es war ein 2-schneidiges Schwert:
All die Besucher des Tages sind wichtige und treue Unterstützer des Tierheimes, ohne die das Tierheim nicht existieren könnte.


Es stellte sich die Frage:
“sind diese schrecklichen Bilder und Informationen für die Besucher, die ja auch oft mit Kind und Kegel kamen, zu viel?

Würde das die Förderer vor den Kopf stoßen, eventuell vergraulen?”

Letztendlich hat das Tierheim Elmshorn sich großartigerweise entschieden, das Risiko einzugehen:
Den unzähligen, namenlosen Tieren, die hinter dicken Mauern versteckt vor der Öffentlichkeit und ungehört tagtäglich schwerst misshandelt und gequält werden, muß eine Stimme gegeben werden!

Ich wurde gefragt, ob ich bereit wäre, das Thema mit bei der Wildvogel-Rettung zu betreuen, damit die Besucher einen Ansprechpartner haben, wenn sie mit diesen furchtbaren Bildern konfrontiert werden und nicht damit allein gelassen sind.

Sebstverständlich war ich dazu bereit – zumal ich mich ohnehin schon länger intensiv mit dem Thema beschäftige und also auch informieren konnte.

In dem kleinen Behandlungsraum des Tierheimes, der gleichzeitig Durchgangszimmer zu den Katzen ist, baute ich also mein Musterflexi auf, in dem verletzte Wildvögel für die Dauer ihrer Genesung untergebracht werden.

Außerdem demonstrierten verschiedene Häkelnester- und Höhlen, die uns Päpplern in dieser Facebookgruppe von emsigen Handarbeitsfeen unermüdlich für unsere Arbeit gefertigt werden, wie verwaiste Singvogelküken bei uns aufgepäppelt werden.

Da sich schlecht lebende Tiere bei so einer Veranstaltung “ausstellen” lassen – sie würden unter dem Trubel unendlich leiden – lief auf einem Laptop unser Päpplervideo, was verschiedene Szenen aus dem Päppelalltag verschiedener privater Wildvogelhilfen in ganz Deutschland zeigt, in Endlosschleife.

Auf einem 2. Laptop liefen aktuelle Szenen aus meiner Schwalbenüberwinterung und hier konnte ich auch jederzeit im Rahmen von Gesprächen mit den Besuchern on- oder offline weitere Infos, Fotos oder Videos aufrufen.

Im Hintergrund lief in Endlosschleife meine CD “Entspannung in Parks und Gärten” – Vogel- und Naturstimmen, die normalerweise im Überwintererzimmer für akustische Abwechselung sorgen.

Im krassen Gegensatz dazu prangten an den Wänden und Schränken die Plakate:
gequälte Katzen, Mäuse, Affen und Kaninchen für Marken wie Nestle´, Loreal, Kelvin Klein oder Phillip Morris etc.

Es war gut, dass wir dieses Thema bei der Wildvogelrettung untergebracht hatten.
Ich konnte beobachten, dass viele Besucher, als sie den Raum betraten entsetzt waren, wenn ihr Blick zunächst einmal völlig unerwartet auf diese grausamen Plakate fiel.
Sie wichen zurück und “retteten” sich in das Päppelvideo, wo gerettete Vogelküken fröhlich um Futter bettelten.
Langsam glitt dann der Blick immer wieder zurück auf die Plakate und irgendwann hatten sie sich so weit gefangen, dass sie das Gespräch zum Thema suchten.

Ich war überrascht, dass es kaum jemandem bewusst war, daß
– über 2,8 Millionen Mäuse, Ratten, Fische, Kaninchen,
Meerschweinchen, Hunde, Katzen, Affen, Schweine, Ziegen,
Pferde und viele andere allein 2017 in deutschen Labors gequält
und größtenteils getötet wurden

– die wenigsten für medizinische Forschung leiden

– Ergebnisse medizinischer Tierversuche nicht automatisch auf den
Menschen übertragbar sind und in den allerseltensten Fällen
überhaupt irgendwann zu einer Produkteinführung führen

– private Labors in Deutschland angesiedelt sind und Tierversuche für
Konzerne aus aller Welt durchführen, weil in Deutschland die
Standards nicht einmal den EU Vorgaben entsprechen

– Tierversuche hinter zahllosen Produkten unseres täglichen
Gebrauchs stehen – selbst da, wo sie nicht vorgeschrieben sind

– wir mit dem Kauf eines Produktes, dessen Hersteller Tierversuche
in Auftrag gibt, diese Versuche finanzieren und dem Hersteller sagen,
dass wir das in Ordnung finden…..

Unsere Gespräche haben viel Betroffenheit ausgelöst – und ich habe den Eindruck, so mancher Besucher wird sich im Nachgang näher mit dem Thema befassen, es weiter tragen und bewusster einkaufen.

Bei “Ärzte gegen Tierversuche e.V.” findet man sehr, sehr umfangreiche und vor allem fundierte Zahlen, Daten, Fakten rund um dieses Thema und unter Häufige Fragen findet man zahlreiche Infos auch ganz praktischer Art.

Aber auch die Wildvogel-Rettung fand wieder viele interessierte Besucher, die sich über meine Arbeit informierten.
Neben den Infogesprächen über Erste-Hilfe Maßnahmen im Fundfall wurde mir besonders häufig die Frage nach der idealen Wildvogelfütterung und wie ich zur Ganzjahresfütterung stehe, gestellt.

Auch die Auswirkungen der “Lichtverschmutzung”, des Feuerwerks zu Silvester und des Einsatzes von Giften im eigenen Garten (gegen Ameisen, Kräuselkrankheit der Obstbäume, Blattläusen an den Rosen etc.) auf unsere Singvögel wurden häufiger thematisiert.

Alles in allem war es ein toller Tag, an dem ich viele, viele Info-Gespräche führen durfte und wenn auch nur ein Teil davon auf fruchtbaren Boden gefallen ist und seine Multiplikatoren gefunden hat,

dann hat sich das eindeutig gelohnt für unsere Tierwelt 🙂
Nur eines fiel mir erschreckend negativ auf an diesem Tag
es stach mir geradezu ins Auge:

Fast jeder 2. Besucher, der auf der Veranstaltung war, trug eine Jacke mit Fellkrage, eine Mütze mit Fellbommel oder Schuhe mit Fellkante – oder gleich alles zusammen – oft naturfarben, manchmal rosarot eingefärbt.
Da, wo es gerade passte, konnte ich es mir nicht verkneifen, das Thema anzusprechen.
Erschreckend häufig waren die betreffenden Leute fest davon überzeugt, dass es sich bei ihrem Fellteil um Kunstfell handelt – als solches hatten sie es gekauft.
In 3 Fällen haben wir den “Feuertest” gemacht – und zum Entsetzen der Träger entpuppten sich zwei als Echtfell!

Ich habe immer angenommen, dass es mittlerweile bekannt ist, dass Kunstfell in der Produktion heutzutage oft teurer ist, als Echtfell – und dass die Hersteller gerne und häufig mit falschen Deklarationen arbeiten.

Da es hier, wie in so vielen anderen Bereichen, wo Tiere gequält und ausgenutzt werden um sehr, sehr viel Geld geht, kann man eigentlich keinem Hersteller und oft auch keinem Händler einfach so glauben, dass sie einem die Wahrheit sagen.

Und selbst wenn ich echtes Kunstfell am Kragen trage:
Die Botschaft, die ich damit aussende, ist verheerend, denn damit steuer ich dazu bei, dass (Kunst)Pelz “in” ist und als schickes Accessoire salonfähig bleibt.
Und da der Mensch ein Herdentier ist und gerne die angesagteste Mode trägt, will jeder diesen Fellkragen – und wer sich den in echt “Kunst” nicht leisten kann, kauft den billigeren echten Fellkragen – oder man wird von vornherein einfach hinter das Licht geführt.

Wer wirklich Mitleid mit den gequälten Hunden, Katzen, Füchsen, Nutrias, Kaninchen, Marderhunden, Waschbären und sonstigen Fellieferanten in Asien hat – den zahllosen Tieren, die unter übelsten Umständen dicht gedrängt in reinen Gitterkäfigen über mehrere Ebenen gestapelt dahin vegetieren, bis sie – nicht selten bei lebendigem Leibe und vollem Bewusstsein – abgezogen werden –
der verzichtet ganz auf Fellaccessoires und zeigt auch nach außen,
dass “ohne Fell” das echte “in” ist.

Wer was auf sich hält, hat es sowieso nicht nötig, sich mit “fremden Federn” zu schmücken.

...und ich habe lange überlegt, ob und was ich zum Thema verlinke.
Aber angesichts der Flut von Fellkragen- und Bommeln, die uns wieder im täglichen Leben begegnen, denke ich ist es nötig, sich schonungslos vor Augen zu führen, WAS dieser “süsse” Fellkragen bedeutet:

Peta hat da einen Undercovereinsatz gefilmt, der heute noch dieselbe Aktualität besitzt, wie zum Zeitpunkt des Drehs…… .

Echtfell geht gar nicht und
Kunstfell setzt falsche Trends und Mikroplastik in die Welt !

Nur “Kein Fell” ist der wahre Renner!

Trotz der sehr ernsten Themen, die dieses Jahr meinen kleinen Infostand für die Wildvogel-Rettung begleiteten, war es ein rundum schöner Tag.

Für mich war “Weihnachten im Tierheim 2019” wieder ein ganz besonderes Erlebnis, wo ich gerne mitgewirkt habe.

Vielen Dank an das Elmshorner Tierheim, daß es sich so stark engagiert und so tolle Veranstaltungen organisiert!

Ihr seid ein tolles Team
und die Tiere haben Glück, bei Euch gelandet zu sein 🙂


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Kükenrückgabe an die Eltern

Kükenrückgabe an die Eltern

Eine Handvoll frisch geschlüpfter, noch völlig nackter Rauschwalbenküken, deren Nest direkt nach dem Schlupf von der Decke gebrochen war, hat mich vor einigen Jahren zur Wildvogelhilfe geführt. Damals hatte ich massive Probleme, irgendwo Infos zu finden, wie man Schwalben richtig aufzieht. Einzig, dass Schwalben schwierig aufzuziehen sind und der Versuch häufig scheitert, habe ich öfter gelesen und gehört. Also habe ich mich bei der Aufzucht an dem orientiert, was ich bei den wilden Schwalben täglich beobachten konnte.

so manchem Vogel könnte man die Handaufzucht ersparen....
so manchem Vogel könnte man die Handaufzucht ersparen….

Später konnte ich mir dann auch erklären, warum so viele
Aufzuchtversuche fehl schlagen. Ebenfalls viel später wusste ich, dass ich die kleinen Küken damals problemlos den Eltern zur weiteren Aufzucht hätte zurück geben können, wenn mir da nur jemand rechtzeitig gesagt hätte, dass es geht und wie.

...wenn man schnell genug richtig handelt.
…wenn man schnell genug richtig handelt.

Aus diesen Erfahrungen heraus habe ich meine Erfahrungen zunehmend öffentlich gemacht, was dazu führte, dass nicht nur viele Schwalben, sondern auch unzählige andere Singvogelarten ihren Weg zu mir fanden. Noch viel mehr kleine Vögel in Not aber haben aufgrund von Beratungsgesprächen, die ich mit aufmerksamen Findern führen konnte, erfolgreich den Weg zu ihren Eltern zurück gefunden. Schwalbennestlinge, die scheinbar aus dem Nest „gefallen“ sind, begegnen uns am häufigsten. Dies liegt sicher auch daran, dass Schwalben in den oder direkt an den Gebäuden nisten und wir darum ein aus dem Nest “gefallenes” Küken oft schneller finden, als Katzen und Co. und es auch vermeintlich sicher dem darüber hängenden Nest zuordnen können. Generell ist es aber so, dass das nachfolgend Gesagte für viele heimische Singvogelarten gilt und sehr häufig funktioniert.
Einen Versuch ist es allemal wert.

In der Regel “fällt” ein Küken nicht einfach so grundlos aus dem Nest!
Die häufigsten Gründe, warum wir ein Küken am Boden unter dem Nest finden, sind:

  1. Nest bricht runter
  2. Küken flüchten aus Nest und fallen runter
  3. Küken wird aus dem Nest geworfen
  4. Küken wird von einem Räuber geklaut und beim Abtransport verloren

Da in allen Fällen der Sturz zu zusätzlichen Verletzungen führen kann, kann man da vorbeugen: Um den Sturz im Falle eines Falles etwas abzumildern, kann man für die Dauer der Brut etwas weich Gepolstertes unter dem Nest platzieren (z.B. eine Heukiste o.ä.)
Außerdem gilt ganz speziell für Schwalben: damit ein Kunstnest angenommen wird, ist es zwingend notwendig, dass es hoch unter der Decke befestigt wird. Die Elterntiere werden ihre Kinder nicht weiter füttern, wenn sich das Nest tiefer, etwa abgestellt auf einer Leiter oder irgendwo auf Kopfhöhe an die Wand geschraubt, befindet.

Zu 1 – Nest ist heruntergebrochen

©P.Lux Das Nest dieser Schwalben brach an einem Sonntag von einem 9 Meter hohen, unerreichbaren Giebel. Ausführliche Telefonberatung und sofortiger, sehr kreativer EInsatz des Finders gab dieser Familie ein neues zu Hause. Alle Küken haben es geschafft und die Familie ist im Herbst gemeinsam nach Süden aufgebrochen.
©P.Lux
Diese Familie hatte Glück! Das Nest dieser Schwalben brach von einem 9 Meter hohen, unerreichbaren Giebel. Die Küken wurden Sonntags auf dem angrenzenden Carportdach gefunden. Der schnelle, sehr kreative Einsatz des Finders gab dieser Familie ein neues zu Hause…

Bringen Sie die abgestürzten Küken erstmal ins Haus und nehmen Sie die Erstversorgung vor. Bitte untersuchen Sie die Kleinen genau auf Parasiten. Oft war die eigentliche Ursache des Nestabbruchs eine rasende Unruhe der Küken, weil sie von Parasiten geplagt wurden. Wenn Sie Parasiten finden, müssen die Küken zunächst  von den Plagegeistern befreit werden.

©P.Lux ...
©P.Lux
…und alle Küken wurden erfolgreich von den Eltern aufgezogen.

Dann bringen Sie in der Nähe des alten Nistplatz ein mit Heuhäcksel oder Strohhäcksel (Zoohandel, Bauer) ausgepolstertes Kunstnest an und setzen die gut gefütterten Küken wieder hinein. Danach entfernen Sie sich etwas und beobachten das Nest. In der Regel beginnen die Küken bald zu betteln und die Eltern  versorgen sie relativ zügig normal weiter – auch im neuen Nest. Ich habe drei Küken schon mal nach fast 30 Stunden noch erfolgreich zurück geben können. Das ist aber sicherlich nicht die Regel.  Je schneller die Küken wieder im Nest sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Versuch klappt.

Zu 2 – Küken flüchten aus dem Nest und fallen runter:
Als erstes sammeln Sie das/die Küken ein und setzen sie wie unter Erstversorgung beschrieben in eine mit Küchenpapier ausgepolsterte Müslischale o.ä. Dann sollten Sie die Ursache für die Flucht des Kükens aus dem Nest ergründen: Meistens sind Parasiten (Blutsauger) die Übeltäter. Es hat im Fall von Parasiten wenig Sinn, das Küken so wieder in sein Nest zu setzen, weil das komplette Nest verseucht sein wird.  Mit anderen Worten:  es wird auch die anderen noch lebenden Küken im Nest betreffen.

...der Kleine lag tot im Nest - von Milben übersäät.
auch, wenn ein Küken bereits tot unter oder im Nest liegt, sollten Sie es auf Parasiten untersuchen, um ggf. zumindest  die noch  lebenden, dann auch betroffenen Geschwister zu retten

Zunächst sollte also dieses Küken von den Parasiten befreit werden. Dann beschaffen Sie sich zügig ein Kunstnest. Das gibt es oft in Futterhäusern oder Gartencentren und wenn Sie dort nichts bekommen, improvisieren Sie  mit einer halben Kokosnuss oder etwas anderem, was der Form, Tiefe und Größe des ursprünglichen Nestes entspricht. Das Nest wird mit Heu- oder Strohhäckseln (Zoohandel, Bauer)  als Polster bestückt und einige Meter entfernt vom ursprünglichen Nest angebracht. Wenn Sie Kieselgur, z.B.  InsectoSec vorrätig haben, stäuben Sie das Kunstnest samt Einstreu gut ein und bedecken Sie den Nestboden unter der Einstreu damit. Das abgestürzte Küken setzen Sie, nachdem SIe ihm einige Fliegen gefüttert haben und es wieder kräftig bettelt, in das neue Nest. Dann klettern Sie mit einem mit Küchenpapier ausgepolsterten Eimer bewaffnet zum alten Nest hoch, holen die restlichen Küken raus und behandeln diese ebenfalls alle nacheinander (möglichst draußen) gegen die Parasiten, bevor Sie sie ebenfalls in das neue Kunstnest setzen.
Schließlich klettern Sie mit dem Eimer noch mal zum alten Nest hoch
und schlagen es direkt in den Eimer, den Sie gleich mit einem Deckel
verschließen, ab. Die Stelle, wo das Nest war, wird dick mit Kieselgur eingestäubt und das verseuchte Nest entsorgen Sie am besten mit dem verschlossenen Eimer im Hausmüll. Nun müssen Sie nur noch das neue Nest beobachten, bis die Eltern es anfliegen. Wenn das geschieht, ist alles okay und Sie haben die kleine Familie erfolgreich gerettet.
Da das Bundesnaturschutzgesetz § 44 die Störung der Brut oder die Entfernung der Nester zum Schutz unserer Wildvögel verbietet, sind Sie immer auf der sicheren Seite, wenn Sie sich das Einverständnis Ihrer zuständigen Unteren Naturschutzbehörde einholen.

Zu 3 – Küken wurde aus dem Nest geworfen
Ursache hier ist meistens eine Erkrankung – häufig eine Vergiftung (z.B. wurden mit Pestiziden oder Insektiziden verseuchte Insekten verfüttert) Das Zurücksetzen eines Kükens, welches von den Eltern  raus geworfen wurde, funktioniert nicht. Die Eltern würden das Küken zum Schutz der restlichen Brut wieder raus werfen.

wenn der Schnabelwulst verfärbt ist, also eine andere Farbe vorweist, als bei dn Geschwistern im Nest, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Krankheit oder Vergiftung Grund für den "Rauswurf"
wenn der Schnabelwulst verfärbt ist, also eine andere Farbe vorweist, als bei den Geschwistern im Nest, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Krankheit oder Vergiftung Grund für den “Rauswurf”

Oft sind verfärbte Schleimhäute oder verfärbte Schnabelwülste  Hinweis darauf, dass das Tier vergiftet oder krank ist. (im Zweifelsfall vergleichen SIe die Schnabelwülste der im Nest
befindlichen Küken mit dem, was Sie am Boden gefunden haben). Sammeln Sie das Küken ein und nehmen Sie eine Erstversorgung vor.
Liegt ein Vergiftungsverdacht vor, also sind die Schleimhäute verfärbt, sollten Sie zwei bis drei Futtertiere dick in Kohlekompretten  baden. Wenn das Küken freiwillig frisst und anfängt zu betteln,  dann können Sie ein zweites Nest in Rufnähe neben dem anderen Nest anbringen und das Küken tagsüber (z.B. mittels  Leiter) in dem Nest versorgen. Falls Sie Glück haben, fangen die Eltern sogar an, das Küken dort wieder mit zu füttern. Sobald sie das tun, können Sie das Küken sofort wieder  zurück setzen zu seinen Geschwistern. Ansonsten müssen Sie sich erst vergewissern, dass die Schnabelränder und die Schleimhäute des Kükens wieder die normale Farbe angenommen haben, bevor sie das Küken zu den Geschwistern zurück setzen.

Soweit also zur Rückgabe von Vogelküken an die Eltern. Natürlich müssen Sie in jedem Fall das betreffende Nest so lange beobachten, bis Sie sicher sind, dass die Eltern ihre Kinder wieder angenommen haben. Wenn das nicht klappt, kommen Sie um eine Handaufzucht nicht herum.

Speziell zu Schwalbenestern gibt es jetzt noch Folgendes zu sagen:

Im Nest verbaute Pferdehaare und Angelsehnen können zur Todesfalle werden, wenn sie nicht abgeschnitten werden.
Im Nest verbaute Pferdehaare und Angelsehnen können zur Todesfalle werden, wenn sie nicht abgeschnitten werden.

Häufig sieht man besonders an Rauchschwalbennestern in Gebäuden Langhaare von Pferden, Angelsehnen und ähnliches als lange Fäden vom Nest runter hängen. Die Eltern haben diese ungeeigneten Materialien irgendwo gefunden und im Nest mit verbaut. Diese Fäden können bei den jungen Küken später zur Todesfalle werden. Nicht selten gelangt beim Füttern der Küken das Ende von so einem Faden in den Kükenschnabel und wird abgeschluckt. Da Langhaare von Pferden und Angelsehnen ziemlich reißfest sind, werden die betreffenden Küken den Fremdkörper nicht mehr los und ersticken elendlich daran. Wenn sie irgendwann verstorben sind, hängen die kleinen Körper wie aufgehängt an diesen Fäden unter dem Nest.
In einem Beratungsgespräch hatte ich sogar mal den Fall, dass ein Elternteil sich in so einer Angesehne verheddert hatte und im Eingang des Nestes elendlich verendet ist. Nun saßen die Küken in der Falle, denn auch das andere Elternteil kam durch den verstopften Eingang nicht mehr ins Nest zum Füttern.  Leider waren die Küken, als die Sache entdeckt und das Nest abgenommen wurde, bereits verhungert.  Sie können dem Vorbeugen, indem Sie Nester schon vor dem Kükenschlupf durch Abschneiden der Fäden von diesen befreien.

Zu 4 – Küken wurde von einem Räuber aus dem Nest verschleppt:
In diesem Fall werden Sie a) meist das Nest nicht finden und b) hat das Küken häufig Hautverletzungen vornehmlich am Rücken.
Hier ist eine Rückgabe normalerweise nicht möglich.
Bitte verfahren Sie wie in Erstversorgung beschrieben weiter.

Ammennester

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